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Norwegen · Praxis

Gezeiten in Norwegen: Tidenhub, Strömung und was sie fürs Angeln bedeuten

Von der Redaktion anglerkompass · Stand: September 2026 · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Der Tidenhub wächst in Norwegen von Süd nach Nord: Nach dem Kartverket liegen zwischen höchstem und niedrigstem astronomischem Tidenstand 0,50 m in Mandal, 1,8 m in Bergen und 3,97 m in Vadsø. Wind und Luftdruck verschieben den Wasserstand zusätzlich. Tabellen und Vorhersagen für fast jeden Küstenort bietet der Dienst Se havnivå des Kartverket.

0,50 mTidenunterschied in Mandal
3,97 mTidenunterschied in Vadsø
7–9 kngeschätzte mittlere Strömung im Saltstraumen

Wer aus dem Süden Norwegens in den Norden reist, merkt es an jedem Anleger: Der Wasserstand schwankt dort viel stärker. Diese Seite erklärt, wie groß der Tidenhub entlang der Küste ist, warum der tatsächliche Wasserstand von der Tabelle abweicht, wo die Strömung gefährlich wird und wo du Gezeitentabellen findest. Die Zahlen stammen vom norwegischen Kartverket, der für Seekarten und Wasserstand zuständigen Behörde. Was die Gezeiten für das Angeln bedeuten, ist dagegen unsere redaktionelle Einschätzung – das kennzeichnen wir.

Wie entstehen Gezeiten und wie oft wechselt das Wasser?

Nach dem Kartverket entstehen die Gezeiten (tidevann) aus den Anziehungskräften zwischen Erde, Mond und Sonne und aus ihren Bewegungen zueinander. Die Sonne hat dabei etwa ein Drittel des Einflusses des Mondes. Weltweit am häufigsten sind halbtägige Gezeiten mit zwei Hoch- und zwei Niedrigwassern am Tag. Stehen Erde, Mond und Sonne in einer Linie, wird der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser am größten (Springtide, springflo); stehen die Kräfte senkrecht zueinander, wird er am kleinsten (Nipptide, nippflo). Nach dem deutschen Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie ist das um Voll- und Neumond der Fall. Der Kartverket präzisiert für Norwegen: Von Westnorwegen nordwärts ist der Unterschied ein bis zwei Tage nach Neu- und Vollmond am größten, an der Südküste und im Oslofjord zwei bis vier Tage davor. Wie viel der Mond darüber hinaus für das Beißverhalten bedeutet, besprechen wir unter Mondphase und Angeln.

Wie groß ist der Tidenhub entlang der norwegischen Küste?

Nach dem Kartverket nimmt der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser von Süd nach Nord deutlich zu. Die folgenden Werte sind die Unterschiede zwischen dem höchsten und dem niedrigsten astronomischen Tidenstand – also die Spanne, die allein durch die Gezeiten möglich ist. Im Alltag ist der Hub an einem einzelnen Tag meist kleiner.

Unterschied zwischen höchstem und niedrigstem astronomischem Tidenstand
Mandal0,50 m
Oslo0,72 m
Bergen1,80 m
Kristiansund2,65 m
Harstad2,68 m
Narvik3,82 m
Vadsø3,97 m

Kartverket: Hvorfor er ikke tidevannet likt over alt? (Stand 09.05.2023), abgerufen am 30.09.2026

Die größten Unterschiede Norwegens hat der Kartverket innen im Varangerfjord bei Nesseby gemessen. Als Gründe nennt die Behörde die Form der Küste, den Meeresboden und die Erdrotation: Die Gezeitenwelle läuft an der Küste entlang und baut sich dabei auf. Die Lofoten wirken wie eine Wand, deshalb ist der Unterschied bei Narvik im Vestfjordgebiet besonders groß. In der Nordsee löschen sich Wellen gegenseitig aus; einen solchen Punkt mit kaum Tidenhub gibt es westlich von Egersund, was die kleinen Werte an der Südküste erklärt. Von Mandal nach Oslo braucht die Welle nach dem Kartverket etwa 50 Minuten, von Stavanger nach Kirkenes rund 6,5 Stunden. Hochwasser ist also nicht überall zur selben Zeit.

Warum weicht der Wasserstand von der Gezeitentabelle ab?

Der Kartverket unterscheidet zwischen Gezeiten und Wasserstand (vannstand). Die Gezeiten lassen sich astronomisch vorausberechnen, der tatsächliche Wasserstand hängt zusätzlich vom Wetter ab. Als Faustregel nennt die Behörde: Sinkt der Luftdruck um 1 Hektopascal, steigt das Wasser um etwa 1 cm. Starker Wind kann Wasser an der Küste aufstauen oder den Wasserstand senken. Bei einem kräftigen Tief mit auflandigem Wind liegt das Wasser also höher als in der Tabelle – nach unserer Einschätzung ein Punkt, den du beim Festmachen des Boots und beim Uferangeln auf flachen Felsen bedenken solltest.

Wie stark ist die Gezeitenströmung in Norwegen?

Die Gezeitenwelle läuft nach dem Kartverket an der Küste nach Norden. Vor der Küste strömt das Wasser um Hochwasser am stärksten nach Norden, um Niedrigwasser nach Süden. Die Geschwindigkeit liegt vor der Westküste bei etwa 0,5 Knoten und steigt bis zur Finnmark auf etwa 1 Knoten. In Engstellen kann sie ein Vielfaches davon erreichen:

  • Saltstraumen bei Bodø gehört nach dem Kartverket zu den stärksten Gezeitenströmen der Welt. Viermal am Tag werden große Wassermassen durch den Sund gepresst, abwechselnd in beide Richtungen. Die mittlere Geschwindigkeit schätzt die Behörde auf 7 bis 9 Knoten, die Spitzen deutlich darüber; sichere Messungen gibt es nach ihren Angaben nicht. Am stärksten ist der Strom bei Springtide. Es bilden sich Strudel von geschätzt etwa 6 m Tiefe und 10 m Durchmesser. Bei stärkstem Strom nennt die Behörde das Befahren sehr riskant; es hat tödliche Unfälle gegeben.
  • Moskstraumen zwischen Lofotodden und der Insel Mosken ist etwa 4 km breit und 40 bis 60 m tief. Richtung und Stärke hängen stark von Wind und Wetter ab; bei starkem Strom und steigender See ist er nach dem Kartverket für kleinere Fahrzeuge unbefahrbar.

Auch viele kleinere Sunde und Fjordschwellen haben spürbare Strömung. Frag bei der Einweisung im Camp nach den Stellen, die du bei laufendem Strom meiden solltest.

Wie beeinflussen die Gezeiten das Angeln?

Amtliche Aussagen dazu gibt es nicht; die folgenden Punkte sind unsere redaktionelle Einschätzung aus der Angelpraxis:

  • Drift: Bei laufender Strömung treibt das Boot schneller, und die Schnur steht schräg. Du brauchst dann schwerere Pilker oder Bleie, um am Grund zu bleiben. Um den Stromwechsel (Stillwasser) lässt sich tief am leichtesten fischen.
  • Futter: Viele Angler beobachten, dass Seelachse dort jagen, wo die Strömung Futter über Riffe und durch Sunde treibt. Das beschreiben wir auch unter Seelachs-Fanggründe und Dorsch-Fanggründe.
  • Uferplätze: Landzungen und Inselspitzen, an denen die Strömung vorbeizieht, sind vom Ufer oft die besten Stellen – mehr unter Angeln vom Ufer.
  • Tagesplanung: Im Norden mit Mitternachtssonne richten viele Angler ihre Zeiten eher nach Gezeiten und Wind als nach der Uhr. Belegt ist ein fester Zusammenhang zwischen Gezeitenphase und Fang nicht.

Wo findest du Gezeitentabellen für Norwegen?

Der Kartverket bietet mit „Se havnivå“ beobachtete und vorhergesagte Wasserstände sowie Gezeitentabellen für fast jeden Ort an der norwegischen Küste an, dazu eine Wasserstandsvorhersage für fünf Tage. Die Behörde betreibt entlang der Küste 24 ständige Pegelstationen, die den Wasserstand laufend messen. Die frühere PDF-Ausgabe der Gezeitentabellen für die norwegische Küste hat der Kartverket eingestellt; maßgeblich ist der Onlinedienst. Für die nächsten fünf Tage empfiehlt die Behörde die Wasserstandsvorhersage statt der reinen Gezeitentabelle, weil das Wetter den Wasserstand um mehr als einen Meter verschieben kann. So nutzt du ihn als redaktioneller Ablauf:

Gezeiten in den Angeltag einplanen
  1. Ort wählen vor der Reise

    In Se havnivå den Hafen oder die Bucht deines Camps auswählen, nicht die nächste größere Stadt.

  2. Tabelle lesen Vorabend

    Hoch- und Niedrigwasser der kommenden Tage notieren und mit Springtide um Voll- und Neumond abgleichen.

  3. Wetter prüfen Vorabend und morgens

    Luftdruck und Wind auf yr.no ansehen und abschätzen, ob der Wasserstand über oder unter der Tabelle liegt.

  4. Plan festlegen vor dem Ablegen

    Tiefe Plätze um den Stromwechsel legen, Strömungsengen bei laufendem Strom meiden.

Daten: Kartverket, Se havnivå; Ablauf: redaktionell

Tiefenangaben in der Seekarte beziehen sich auf einen festen Bezugswert, in der Regel den niedrigsten astronomischen Tidenstand. Wie du beides zusammen liest, erklärt Seekarten und Navigation. Die Regeln für das Mietboot stehen unter Bootsangeln in Norwegen.

Häufige Fragen

Wie groß ist der Tidenhub in Norwegen?

Nach dem Kartverket liegt der Unterschied zwischen höchstem und niedrigstem astronomischem Tidenstand bei 0,50 m in Mandal, 0,72 m in Oslo, 1,8 m in Bergen, 3,82 m in Narvik und 3,97 m in Vadsø. Am größten ist er innen im Varangerfjord.

Wo finde ich Gezeitentabellen für Norwegen?

Im Onlinedienst Se havnivå des Kartverket. Er zeigt Gezeitentabellen, gemessene Wasserstände und eine Vorhersage für fünf Tage für fast jeden Ort an der Küste.

Warum stimmt der Wasserstand nicht mit der Tabelle überein?

Weil das Wetter mitwirkt. Nach dem Kartverket steigt das Wasser als Faustregel um etwa 1 cm, wenn der Luftdruck um 1 Hektopascal sinkt. Starker Wind kann Wasser aufstauen oder den Stand senken.

Wie stark ist der Saltstraumen?

Nach dem Kartverket strömt er im Mittel mit 7 bis 9 Knoten, in Spitzen deutlich schneller, und wechselt viermal am Tag die Richtung. Bei stärkstem Strom ist das Befahren sehr riskant.

Wann beißen die Fische bei Ebbe oder Flut besser?

Einen belegten festen Zusammenhang gibt es nicht. Nach unserer Einschätzung sind Stellen mit mäßiger Strömung an Riffen und Sunden oft ergiebig, und tiefe Plätze lassen sich um den Stromwechsel am besten befischen.

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