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Norwegen · Praxis

Seekarten und Navigation in Norwegen: Kartverket-Karten, Tiefen und Echolot

Von der Redaktion anglerkompass · Stand: September 2026 · 4 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Amtliche Seekarten für Norwegen gibt der Kartverket heraus, auf Papier als Druck auf Bestellung bei Händlern und als elektronische Daten für Kartenplotter. Die Tiefen beziehen sich auf Sjøkartnull, seit 2000 in der Regel den niedrigsten astronomischen Tidenstand. Kostenlos ansehen kannst du Seekarten in Norgeskart. Berichtigungen erscheinen alle 14 Tage.

143Karten der Hauptserie für die Küste (1:50.000)
14 TageTakt der amtlichen Berichtigungen
LATBezugswert der Tiefen seit 2000

Norwegens Küste ist voller Schären, Untiefen und Sunde. Mit einer Seekarte findest du nicht nur gute Angelplätze, sondern auch sicher zurück. Diese Seite zeigt, welche Karten der norwegische Kartverket herausgibt, wie du Tiefenangaben richtig liest, welche amtlichen Onlinedienste es gibt und wie du Seekarte und Echolot zusammen nutzt. Kommerzielle Apps und Geräte nennen wir bewusst nicht. Pflichten wie Schwimmweste und Bootsführerschein stehen auf Bootsangeln in Norwegen.

Warum brauchst du beim Bootsangeln eine Seekarte?

Der Kartverket nennt ausdrücklich auch Angler: Mit der Seekarte entdeckst du neue Plätze in den Schären, Ankerbuchten und Angelstellen und vermeidest es zugleich, in einem Vogelschutzgebiet an Land zu gehen. Wichtig ist dabei ein Hinweis der Behörde zur Qualität der Tiefendaten: Achte darauf, ob ein Gebiet nie oder nur vor 1960 von Hand vermessen wurde. Auf Papierkarten zeigt ein eigenes Quellen- bzw. ZOC-Diagramm, wie verlässlich die Tiefendaten sind; beim Kartenplotter prüfst du, wie der Anbieter solche unsicheren Gebiete markiert.

Nach unserer Einschätzung ist genau das der häufigste Denkfehler im Mietboot: Eine Zahl in der Karte wirkt exakt, obwohl das Gebiet vor Jahrzehnten mit einfacher Technik gelotet wurde. Fahr in unbekannten Schären langsam und halte Abstand zu Stellen, an denen die Karte Steine oder wenig Wasser zeigt.

Welche Seekarten gibt der Kartverket heraus?

Kartenserie Anzahl und Maßstab Wofür
Hafenkarten (havnekart) 45 Karten, 1:5.000 bis 1:25.000 Häfen und Anfahrten mit genauem Bild von Tiefen und Kaianlagen
Hauptkartenserie (hovedkartserien) 143 Karten 1:50.000 (mit wenigen Ausnahmen) für die Küste von der schwedischen bis zur russischen Grenze, dazu 24 Karten für Svalbard, Jan Mayen und die Bouvetinsel Küstengewässer – nach unserer Einschätzung die wichtigste Serie für Angler im Mietboot
Küstenkarten (kystkart) 10 Karten, 1:350.000 offene See und Fischbänke vor der Küste
Übersichtskarten 12 Karten, 1:700.000 bis 1:10.000.000 Nordsee, Europäisches Nordmeer, Barentssee

Quelle: Kartverket, Sjøkart for norske sjø- og havområder, abgerufen am 30.09.2026. Die Serienbezeichnungen auf Deutsch sind unsere Übersetzung.

Alle norwegischen Seekarten gibt es nach dem Kartverket nur noch als Druck auf Bestellung (Print on Demand) bei Händlern. Jede Karte wird dabei mit den neuesten sicherheitsrelevanten Berichtigungen gedruckt, die die Behörde alle 14 Tage in den „Etterretninger for sjøfarende“ (Efs) veröffentlicht. Nach dem Kauf bist du nach dem Kartverket selbst dafür verantwortlich, die Karte mit diesen Berichtigungen aktuell zu halten; die Efs sind kostenlos. Preise nennen wir nicht.

Wie liest du Tiefen in der norwegischen Seekarte?

Alle Tiefen in norwegischen Seekarten beziehen sich nach dem Kartverket auf das Sjøkartnull. Seit dem 1. Januar 2000 ist das der niedrigste astronomische Tidenstand (LAT) – der niedrigste Wasserstand, der ohne Wettereinfluss möglich ist. Ausnahmen gibt es an der Südküste: Von der schwedischen Grenze bis Utsira liegt das Sjøkartnull aus Sicherheitsgründen 20 cm unter LAT, im inneren Oslofjord (innerhalb des Drøbaksunds) 30 cm darunter. Brückenhöhen beziehen sich dagegen auf den höchsten astronomischen Tidenstand (HAT).

Daraus folgt: Die tatsächliche Wassertiefe ist fast immer größer als die Zahl in der Karte, weil zur Kartentiefe der aktuelle Gezeitenstand hinzukommt. Im Norden, wo der Tidenhub nach dem Kartverket bis fast 4 m erreicht, macht das viel aus. Umgekehrt kann bei hohem Luftdruck und ablandigem Wind weniger Wasser stehen, als die Gezeitentabelle erwarten lässt. Wie du den Wasserstand vorhersagst, erklärt Gezeiten in Norwegen.

Für die Platzsuche gilt nach unserer Erfahrung: Eng zusammenlaufende Tiefenlinien zeigen steile Kanten, einzelne flache Zahlen mitten im tiefen Wasser zeigen Unterwasserberge. Beides sind typische Standplätze für Dorsch und Seelachs – mehr unter Dorsch-Fanggründe.

Welche amtlichen Onlinedienste und Kartendaten gibt es?

  • Norgeskart: Der kostenlose Kartendienst des Kartverket zeigt neben Land- und Wanderkarten auch Seekarten und Ortsnamen. Er wird wöchentlich aktualisiert, die einzelnen Themenebenen aber unterschiedlich oft.
  • Elektronische Seekarten für Kartenplotter: Der Kartverket stellt Kartendaten im Standard S-57 bereit, die zugelassene Händler für Kartenplotter anbieten; eine Liste der Anbieter steht beim Kartverket. Nur wenn der Anbieter zweimal im Monat Aktualisierungen herunterlädt, entspricht der Karteninhalt nach dem Kartverket dem Stand der amtlichen Papierkarten. Wichtig: Für Freizeitboote sind diese Lösungen nach dem Kartverket keine autorisierten Navigationskarten.
  • Se havnivå: Gezeitentabellen, gemessene Wasserstände und Vorhersagen des Kartverket für fast jeden Küstenort.
  • Den norske los: Das digitale Seehandbuch des Kartverket unter dnl.kartverket.no beschreibt unter anderem Grund und Anlegestellen.
  • Fischfarmen: Die Standorte von Aquakulturanlagen zeigt das Kartenwerkzeug Yggdrasil des Fiskeridirektoratet. Beim Angeln gilt 100 m Abstand, für jeden Bootsverkehr 20 m.
  • Wetter: Wind und Wetter für die Küste stehen auf yr.no von MET Norway und NRK.

Nach unserer Einschätzung ist ein Handy mit Kartendienst eine gute Ergänzung, aber kein Ersatz für Kartenplotter oder Papierkarte: Akku, Nässe und Netzabdeckung setzen ihm auf dem Wasser schnell Grenzen.

Wie nutzt du Echolot und Seekarte zusammen?

Das Echolot misst die Tiefe direkt unter dem Boot, die Seekarte zeigt das Umfeld. Wie das Gerät funktioniert und wie du das Bild liest, erklären wir ausführlich unter Echolot. Für Norwegen haben sich nach unserer Erfahrung drei Gewohnheiten bewährt:

  • Abgleichen: Vergleich die Echolot-Tiefe regelmäßig mit der Karte. Weicht sie deutlich nach oben ab, fährst du langsamer und prüfst deine Position.
  • Kante anfahren: Such die Kante zuerst in der Karte und fahr sie dann quer an, bis das Echolot den Übergang zeigt. Setz dort eine Markierung im Plotter.
  • Drift planen: Starte die Drift so, dass Wind und Strömung dich über die Kante und nicht auf flache Steine treiben.

Wie bereitest du eine Ausfahrt mit der Seekarte vor?

Ausfahrt mit Seekarte vorbereiten
  1. Einweisung erster Tag

    Im Camp Untiefen, Strömungsengen, Fischfarmen und gesperrte Bereiche auf der Karte zeigen lassen.

  2. Route Vorabend

    Ziel, Rückweg und eine geschützte Ausweichbucht auf der Karte festlegen.

  3. Wasserstand Vorabend und morgens

    Gezeiten und Wetter prüfen, um zu wissen, wie viel Wasser über den flachen Stellen steht.

  4. Technik vor dem Ablegen

    Plotter, Echolot und Handy laden, Karte oder Kartendaten auf aktuellen Stand bringen.

  5. Abmelden beim Ablegen

    Im Camp sagen, wo du fischst und wann du zurück bist.

Karten und Daten: Kartverket; Regeln: Sjøfartsdirektoratet, Fiskeridirektoratet; Ablauf: redaktionell

Die Seemannsregeln des Sjøfartsdirektoratet fassen das in einem Satz zusammen: an Sicherheit denken und planen. Rettungsweste, Notruf 112 und Küstenfunk 120 stehen auf Bootsangeln in Norwegen, allgemeine Hinweise unter Sicherheit am Wasser.

Häufige Fragen

Wo bekomme ich Seekarten für Norwegen?

Amtliche Seekarten gibt der Kartverket heraus. Papierkarten gibt es nur noch als Druck auf Bestellung bei Händlern, elektronische Kartendaten für Kartenplotter bei zugelassenen Anbietern, deren Liste der Kartverket veröffentlicht.

Kann ich norwegische Seekarten kostenlos ansehen?

Ja. Der Kartendienst Norgeskart des Kartverket zeigt neben Land- und Wanderkarten auch Seekarten und ist kostenlos.

Worauf beziehen sich die Tiefen in der Seekarte?

Auf das Sjøkartnull. Seit dem 1. Januar 2000 ist das nach dem Kartverket in der Regel der niedrigste astronomische Tidenstand (LAT), mit regionalen Ausnahmen. Die tatsächliche Tiefe ist meist größer.

Wie oft werden norwegische Seekarten berichtigt?

Der Kartverket veröffentlicht sicherheitsrelevante Berichtigungen alle 14 Tage in den Etterretninger for sjøfarende. Elektronische Karten entsprechen nach der Behörde nur dann diesem Stand, wenn der Anbieter zweimal im Monat aktualisiert.

Reicht das Echolot zur Navigation?

Nein. Das Echolot zeigt nur die Tiefe direkt unter dem Boot. Nach unserer Einschätzung brauchst du zusätzlich eine Seekarte oder einen Kartenplotter, um Untiefen rechtzeitig zu erkennen.

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