App laden

Wissen · Sicherheit

Sicherheit am Wasser: Rettungsweste, Boot, Gewitter und Eis

Von der Redaktion anglerkompass · Stand: September 2026 · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Auf dem Boot trägst du immer eine Rettungsweste – das empfehlen DLRG und Seenotretter. Bei aufziehendem Gewitter verlässt du Wasser und Ufer sofort, schon bevor es blitzt. Eis betrittst du laut DLRG erst ab 15 cm Dicke auf Seen und 20 cm auf Fließgewässern und nie allein. Unter Freileitungen wird nicht geangelt.

15 / 20 cmEisdicke See / Fließgewässer, DLRG
< 9 szwischen Blitz und Donner: sofort Schutz suchen, DWD
393Ertrunkene in Deutschland 2025, DLRG

Wie gefährlich ist Wasser für Angler?

Angeln gilt als ruhiges Hobby, doch Wasser bleibt gefährlich. Nach der Statistik der DLRG sind 2025 in Deutschland mindestens 393 Menschen ertrunken. Neun von zehn tödlichen Unfällen (88 %) ereigneten sich in öffentlich zugänglichen Gewässern im Binnenland, die meisten in Seen und Teichen (158) sowie in Fließgewässern (153). Wie viele Angler darunter waren, weist die Pressemitteilung nicht aus. Für uns zählt etwas anderes: Angler sind oft allein, oft in der Dämmerung und oft an Stellen, an denen niemand badet – an steilen Ufern, auf Buhnen, im Boot und im Winter auf dem Eis. Die folgenden Abschnitte fassen zusammen, was DLRG, Seenotretter und Deutscher Wetterdienst empfehlen.

Welche Rettungsweste brauche ich?

Die DLRG empfiehlt „grundsätzlich allen Bootsinsassen, Rettungswesten zu tragen“. Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) unterscheidet vier Klassen nach Auftrieb, gemessen in Newton:

Mehr Auftrieb für raueres Wasser: die vier Westenklassen
Schwimmhilfe50 N – geübte Schwimmer in Ufernähe, nicht ohnmachtssicher
Rettungsweste100 N – Binnengewässer und geschützte Reviere
Rettungsweste150 N – alle Gewässer, ohnmachtssicher
Rettungsweste275 N – hohe See, extreme Bedingungen

DGzRS – Die Seenotretter: Sicherheitsausrüstung auf See, abgerufen 30.09.2026

Eine 50-N-Schwimmhilfe ist laut DGzRS ausdrücklich „keine Rettungsweste“. Erst ab 150 N ist eine Weste so gebaut, dass sie ihren Träger auf den Rücken dreht und den Kopf über Wasser hält – auch wenn er bewusstlos ist, bei schwerer, wetterfester Kleidung allerdings eingeschränkt. Viele Westen blasen sich über eine CO₂-Patrone automatisch auf, andere musst du selbst auslösen. Die DGzRS rät, Rettungswesten „alle zwei Jahre von einer zertifizierten Wartungsstation“ kontrollieren zu lassen, nach Kontakt mit Salzwasser mit Leitungswasser abzuspülen und nach einer Auslösung die Patrone zu ersetzen. Kinder brauchen Westen, die zu Größe und Gewicht passen.

Nach unserer Einschätzung ist für das Angeln vom Kleinboot auf Seen und Flüssen eine automatische Weste ab 150 N die sinnvollste Wahl, weil sie beim Werfen nicht stört und auch bei einem Sturz mit Kopfverletzung hilft. Auch das norwegische Fiskeridirektoratet rät, auf dem Wasser immer eine Rettungsweste zu tragen – mehr dazu auf der Seite Norwegen: Regeln.

Was muss ich beim Angeln vom Boot beachten?

Für viele Angelboote brauchst du keinen Führerschein. Nach § 5 Abs. 1 Nr. 1 der Sportbootführerscheinverordnung benötigt auf allen Binnen- und Seeschifffahrtsstraßen keine Fahrerlaubnis, wer ein Sportboot mit einem Verbrennungsmotor von höchstens 11,03 Kilowatt oder einem Elektromotor von höchstens 7,5 Kilowatt (Dauerbetrieb) führt. Weitere Voraussetzungen und Sonderregeln einzelner Reviere prüfst du vor der Fahrt bei der zuständigen Behörde oder dem Vermieter.

Als häufige Unfallursachen nennt die DLRG überladene Boote, unüberlegte Platzwechsel und Alkohol. Kentert das Boot, sollen die Insassen „in Bootsnähe bleiben und sich am Boot festhalten, sofern dieses nicht untergeht“; die Entfernung zum Ufer werde oft unterschätzt. Die Seenotretter berichten, dass Angler auf See immer wieder Entfernungen unterschätzen, ohne Kompass oder mit ungeeigneten Booten unterwegs sind – und dass auf hoher See nach wenigen Kilometern der Handyempfang endet. Wie Wind und Welle das Angeln beeinflussen, steht auf unserer Seite zum Wind.

Besonders tückisch ist kaltes Wasser. Der Seenotarzt Dr. Jens Kohfahl beschreibt für die DGzRS den Kälteschock: Der plötzliche Kältereiz führe dazu, „dass wir unsere Atmung nicht mehr steuern können“. Wer im Warmen eine Minute die Luft anhalten kann, schaffe nach einem Sturz in kaltes Wasser unter Umständen nur noch zehn Sekunden. Genau deshalb gehört die Weste an den Körper und nicht unter die Sitzbank.

Wie verhalte ich mich bei Gewitter?

Wasser leitet Strom, und beim Angeln bist du mit Rute und Boot oft der höchste Punkt weit und breit. Der Ausschuss für Blitzschutz von VDE und ABB schreibt: „Badende, Wassersporttreibende und Angler sollten bereits beim Aufziehen eines Gewitters das Wasser sowie die Uferzone verlassen und sich in geschützte Bereiche begeben.“ Im Wasser verteile sich der Blitzstrom über große Flächen.

Wie nah ein Gewitter ist, schätzt du nach dem Deutschen Wetterdienst so: „Zählt man die Sekunden zwischen einem Blitz und dem zugehörigen Donner und teilt die Zahl durch drei, weiß man ungefähr wie viele Kilometer das Gewitter entfernt ist. Sind es weniger als neun Sekunden, sollte man dringend Schutz suchen.“ Sicher sind laut DWD feste Gebäude und das Auto. Wer im Freien überrascht wird, soll allein stehende Bäume, Masten, Metallzäune und Gewässer meiden, nicht der höchste Punkt sein und in einer Bodenmulde in die Hocke gehen, die Füße eng zusammen. Ans Wasser zurück erst, wenn das Gewitter vorbei ist – der VDE-Ausschuss nennt als Faustregel eine halbe Stunde ohne Donner.

Aktuelle Warnungen liefert die WarnWetter-App des DWD. Die Wettervorhersage für dein Gewässer fließt auch in unseren Beißindex ein; bei Gewitterwarnung ist die Frage nach dem Biss aber zweitrangig.

Wann trägt das Eis?

Wer im Winter aufs Eis geht, etwa zum Eisangeln, trägt ein hohes Risiko. Die DLRG hat dazu zehn Eisregeln aufgestellt. Die wichtigsten für Angler:

15 cmMindestdicke auf Seen
20 cmMindestdicke auf Fließgewässern
nie alleinaufs Eis gehen
112sofort wählen, wenn jemand einbricht
  • „Gehe nicht gleich an den ersten Tagen aufs Eis“ und informiere dich, ob das Eis trägt.
  • „Verlasse das Eis sofort, wenn es knistert und knackt!“
  • Drohst du einzubrechen: flach aufs Eis legen und dich vorsichtig auf dem gleichen Weg zurück zum Ufer bewegen.
  • Eingebrochenen hilfst du vom Ufer aus, indem du ihnen einen Gegenstand reichst, und wärmst Gerettete mit Decken, trockener Kleidung und warmen Getränken langsam auf.

Ob du auf einem Gewässer überhaupt vom Eis angeln darfst, regeln Gewässerordnung und Landesrecht. Auch beim Eisangeln gilt: Maßige Fische, die du behältst, werden waidgerecht getötet, wie auf der Seite Fisch töten beschrieben.

Welche Gefahren lauern am Ufer?

  • Strömung und Buhnen: Flüsse bergen laut DLRG durch ihre Strömung „immer ein erhöhtes Gefahrenpotential“. Vor Buhnen entsteht durch den Staudruck eine Strömung ins offene Gewässer, unterhalb von Wehren können Wasserwalzen lebensgefährlich sein.
  • Rutschige und steile Ufer: Nasse Steine, Algen, Lehm und unterspülte Kanten sind nach unserer Erfahrung die häufigste Sturzursache. Festes Schuhwerk mit Profil und ein Blick auf den Wasserstand vor dem Angeltag helfen. Bei Hochwasser bleibst du vom Ufer weg.
  • Freileitungen: Kohlefaser ist elektrisch leitfähig, Ruten daraus leiten also Strom. Nach einem Fachbeitrag der Gartenbau-Berufsgenossenschaft kann Strom bei Nässe auch ohne Berührung auf den Menschen überspringen (Lichtbogenübertritt). Angle deshalb nie unter oder neben Freileitungen und trage lange Ruten waagerecht, wenn du unter einer Leitung hindurchgehst.
  • Allein unterwegs: Sag jemandem, wo du angelst und wann du zurück sein willst, und nimm ein geladenes Handy wasserdicht verpackt mit. Das ist bewährte Praxis, gerade beim Nachtangeln.

Wie du mit Ruten sicher umgehst und welche Rute wofür passt, steht unter Angelrute. Wer neu anfängt, findet den Einstieg unter Angeln für Anfänger.

Häufige Fragen

Muss ich beim Angeln vom Boot eine Rettungsweste tragen?

Eine allgemeine gesetzliche Tragepflicht für Angler haben wir nicht gefunden, die DLRG empfiehlt aber grundsätzlich allen Bootsinsassen, Rettungswesten zu tragen. Gewässerordnungen und Bootsvermieter können sie vorschreiben.

Welche Rettungsweste zum Angeln?

Für Binnengewässer nennt die DGzRS Westen ab 100 Newton, die aber nur eingeschränkt ohnmachtssicher sind; ohnmachtssicher sind Westen ab 150 Newton. Nach unserer Einschätzung ist eine automatische 150-N-Weste für das Angeln vom Kleinboot die sinnvollste Wahl.

Wie dick muss Eis zum Eisangeln sein?

Laut DLRG mindestens 15 Zentimeter auf Seen und 20 Zentimeter auf Fließgewässern. Außerdem nie allein aufs Eis gehen und das Eis sofort verlassen, wenn es knistert und knackt.

Darf man bei Gewitter angeln?

Nein. Der Ausschuss für Blitzschutz von VDE und ABB rät Anglern, Wasser und Uferzone schon beim Aufziehen eines Gewitters zu verlassen. Liegen zwischen Blitz und Donner weniger als neun Sekunden, sollst du laut DWD dringend Schutz suchen.

Brauche ich für ein Angelboot einen Führerschein?

Nicht, wenn der Verbrennungsmotor höchstens 11,03 kW oder der Elektromotor höchstens 7,5 kW Dauerleistung hat (§ 5 Abs. 1 Nr. 1 Sportbootführerscheinverordnung). Sonderregeln einzelner Reviere prüfst du vor der Fahrt.

Schonzeiten immer im Blick – in der App: jetzt kostenlos sichern ↑