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Blei und Gewichte beim Angeln: Formen, Gewichte und das EU-Bleiverbot
Von der Redaktion anglerkompass · Stand: September 2026 · 5 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
Beim Angeln hält Blei den Köder am Grund, stellt die Pose aus oder gibt Wurfgewicht. Die Form richtet sich nach der Montage, das Gewicht nach Tiefe, Strömung und Wurfweite. Die EU hat beschlossen, den Verkauf bleihaltiger Angelgewichte nach Übergangsfristen von drei bis fünf Jahren zu verbieten. Stand 30.09.2026 steht die Veröffentlichung im Amtsblatt noch aus.
Welche Bleiformen gibt es und wofür?
Blei ist schwer, weich und billig – deshalb steckt es seit Generationen in fast jeder Montage. Es hat drei Aufgaben: den Köder am Grund halten, eine Pose so austarieren, dass sie den Biss zeigt, und leichten Ködern Wurfgewicht geben. Für jede Aufgabe gibt es eigene Formen. Die Tabelle zeigt die Bleie, die wir auf unseren Methoden- und Zielfischseiten verwenden, mit den dort genannten Richtwerten.
| Bleiform | Einsatz | Gewicht (Richtwert) | Ausführlich |
|---|---|---|---|
| Schrotbleie | Pose ausbleien, frei treibender Wurm | so viele, dass nur die Posenspitze herausschaut | Posenangeln |
| Olive, Signalblei | Hauptbebleiung und Bissanzeige an der Pose | passend zur Tragkraft der Pose | Posenangeln |
| Laufblei | Grundmontage für Aal, Köderfisch, Barbe | so leicht wie möglich, nach Strömung und Wurfweite | Köderfischangeln |
| Drop-Shot-Blei | Drop-Shot, tropfen- oder stabförmig | Barsch etwa 5–10 g, Zander etwa 10–20 g, in Strömung mehr | Drop-Shot |
| Patronen- oder Tropfenblei | Texas- und Carolina-Rig | am Carolina-Rig etwa 7–15 g | Carolina-Rig |
| Jigkopf | Gummifisch; Blei am Haken angegossen | Barsch etwa 3–10 g | Jiggen |
| Karpfenblei im Sicherheitsclip | Selbsthakmontage | etwa 80–120 g, im Fluss mehr | Haarmontage |
| Krallenblei | Brandung, hält trotz Welle im Sand | etwa 100–200 g | Brandungsangeln |
| Laufblei an der Küste | Seebrücke, Mole, ruhiges Wasser | etwa 40–80 g | Brandungsangeln |
| Schwerer Bleikopf | Gummifisch auf Heilbutt im Meer | grob 100–400 g | Heilbutt |
Dazu kommen Pilker, bei denen Köder und Gewicht ein Stück sind, und flache Bleie, die in der Strömung weniger wegrollen – beides beschreiben wir auf den Seiten zum Pilken und zur Barbe.
Wie schwer muss das Blei sein?
Die Faustregel unserer Drop-Shot-Anleitung gilt für fast jede Montage: so leicht wie möglich, aber schwer genug, dass der Köder sicher am Grund bleibt. Ein zu schweres Blei lässt vorsichtige Fische den Widerstand spüren und bleibt öfter zwischen Steinen hängen. Ein zu leichtes Blei treibt in der Strömung ab, und du verlierst den Kontakt zum Grund.
- Strömung und Tiefe: Je stärker die Strömung und je tiefer das Wasser, desto mehr Gewicht brauchst du. Im Fluss nimmst du bei der Karpfenmontage mehr als die 80 bis 120 g, die im See reichen.
- Wurfweite: Weite Würfe verlangen mehr Gewicht – in der Brandung deshalb die schweren Krallenbleie.
- Rute: Blei, Köder und gegebenenfalls Futterkorb müssen zum Wurfgewicht der Rute passen. Was das Wurfgewicht bedeutet, erklärt die Seite Angelrute.
Schütze den Knoten vor dem Blei mit einer Perle und achte darauf, dass ein Laufblei frei gleiten kann. Welche Kleinteile dafür nötig sind, steht unter Wirbel, Karabiner und Perlen.
Warum ist Blei beim Angeln ein Umweltproblem?
Blei ist giftig. Die Europäische Chemikalienagentur ECHA hat 2021 in einem umfangreichen Dossier untersucht, welche Risiken von Blei in Munition und Angelgerät ausgehen. Ihr zentraler Befund: Vögel und andere Tiere nehmen verlorene Angelbleie und Köder auf, vergiften sich und sterben häufig daran. Die EU-Kommission fasst die Schätzungen der ECHA in ihrem Verordnungsentwurf so zusammen:
- Wenn die heutigen Einträge aus Schießen und Angeln weitergehen, gelangen in 20 Jahren rund 876.000 Tonnen Blei in die Umwelt – der größte Teil davon aus Munition.
- Mindestens 7 Millionen Vögel wären in diesem Zeitraum dem Risiko ausgesetzt, sich durch verschluckte Angelbleie und Köder zu vergiften.
- Die vorgeschlagene Beschränkung würde den Eintrag aus Angelgerät in 20 Jahren um etwa 48.300 Tonnen senken.
- Ein Gesundheitsrisiko sieht die ECHA auch beim Selbstgießen von Bleien und Ködern zu Hause.
Wie viel Blei ein einzelner Angler verliert, ist nicht erfasst. Klar ist aber: Jedes abgerissene Blei bleibt im Gewässer.
Was hat die EU zu Blei in Angelgeräten beschlossen?
Das Verfahren läuft seit 2019. Die folgende Übersicht zeigt die belegten Schritte bis zum Stand dieser Seite.
- Auftrag an die ECHA 16.07.2019
Die Kommission beauftragt ein Beschränkungsdossier zu Blei in Munition und Angelgerät
- ECHA-Vorschlag 03.02.2021
Verkaufs- und Verwendungsverbot für Bleie und Köder mit Übergangsfristen, Dossier veröffentlicht 24.03.2021
- Stellungnahmen RAC und SEAC 02.06. und 02.12.2022
Die Fachausschüsse der ECHA stimmen zu, mit Änderungen
- Entwurf der Kommission 20.02.2025
im Komitologieregister veröffentlicht, später getrennt nach Angelgerät und Munition (Dokument D110163)
- REACH-Ausschuss 29.04.2026
Zustimmung der Mitgliedstaaten mit knapper Mehrheit
- Parlament und Rat 30.07.2026
Drei Monate Prüfung; das Parlament lehnt am 08.07.2026 einen Einwand ab, die Frist endet ohne Einwände
- Amtsblatt offen
Veröffentlichung steht nach unserer Recherche noch aus; Inkrafttreten 20 Tage danach
ECHA, Rat der EU (Dok. 9232/26), DAFV, BirdLife; Stand 30.09.2026
Der Entwurf, den die Kommission dem Rat am 30.04.2026 übermittelt hat, sieht Folgendes vor: Angelgerät mit einem Bleigehalt ab 1 Gewichtsprozent darf nicht mehr für die Fischerei in Verkehr gebracht werden. Die Fristen laufen ab Inkrafttreten:
- 6 Monate: Bleidraht und „Drop-in“-Bleie, die absichtlich im Wasser zurückgelassen werden. Ab dann müssen Händler außerdem am Regal und im Onlineshop vor Blei warnen.
- 3 Jahre: Bleie und Köder bis 50 g.
- 5 Jahre: Bleie und Köder über 50 g bis 1 kg. Schwerere Gewichte sind nicht erfasst.
Ausnahmen gibt es für Köder aus Kupferlegierungen mit weniger als 3 % Blei und für sehr kleine Schrotbleie bis 0,06 g in auslaufsicherer, kindergesicherter Verpackung; beide Ausnahmen sollen nach zehn Jahren überprüft werden. Wichtig für Freizeitangler: Anders als von der ECHA vorgeschlagen, verbietet der Entwurf nicht die Verwendung. Die Beschränkung der Verwendung soll nur für die kommerzielle Fischerei gelten, weil ein Verwendungsverbot bei Privatpersonen kaum durchsetzbar wäre. Mitgliedstaaten dürfen aber strengere nationale Verwendungsverbote beibehalten, die bei Inkrafttreten schon gelten.
Zwei Unklarheiten nennen wir offen: Der DAFV schrieb im Mai 2026, der Text könne „in etwa vier bis fünf Monaten“ in Kraft treten – gemeint ist vermutlich die Zeit ab der Abstimmung. Der Entwurf selbst sagt: 20 Tage nach Veröffentlichung im Amtsblatt. Und solange die Verordnung nicht veröffentlicht ist, stehen die konkreten Stichtage nicht fest. Wir aktualisieren diese Seite, sobald das der Fall ist. Ein deutsches Bundes- oder Landesgesetz, das Angelblei heute schon verbietet, haben wir nicht gefunden; Gewässerordnungen einzelner Vereine können trotzdem strengere Vorgaben machen.
Welche Alternativen zu Blei gibt es?
Die ECHA nennt in ihrem Dossier zahlreiche Alternativen: Messing, Beton, Kiesel, Stahl, Zinn, Zink und Wolfram. Sie weist aber darauf hin, dass einige davon, vor allem Messing und Zink, ebenfalls der Umwelt schaden. Für Bleidraht gibt es laut ECHA im Handel verbreitet Ersatz, und Drop-in-Bleie lassen sich durch andere Techniken ersetzen.
- Wolfram: deutlich dichter als Blei, deshalb kleiner bei gleichem Gewicht. Auf unserer Seite zum Texas-Rig beschreiben wir, dass Wolframgewichte Grundkontakt nach Anglererfahrung deutlicher übertragen, aber teurer sind.
- Stahl und Eisen: günstig, aber bei gleichem Gewicht größer als Blei.
- Zinn: weicher als Stahl, als Klemm- und Schrotgewicht im Handel.
- Stein und Beton: für schwere Grundgewichte, etwa beim Karpfenangeln.
Die Kommission erkennt an, dass es schwierig ist, Ersatz für sehr kleine Schrotbleie zu finden, die weich genug zum Anklemmen und trotzdem schwer genug sind – daher die Ausnahme bis 0,06 g. Größere Schrotbleie fallen unter die 50-g-Grenze.
Wie gehe ich schon heute verantwortungsvoll mit Blei um?
Auch ohne Verbot kannst du den Eintrag verringern. Nach unserer Einschätzung helfen diese Punkte am meisten:
- Hänger vermeiden: Stellenweise leichtere Bleie, weniger Würfe in bekannte Hindernisse und eine passende Montage reduzieren Abrisse. Der Sicherheitsclip beim Karpfenangeln sorgt dafür, dass ein Fisch bei Schnurbruch kein Blei hinter sich herzieht.
- Keine Drop-off-Techniken: Bleie, die absichtlich abgeworfen werden, landen immer im Gewässer. Die EU will sie deshalb zuerst verbieten.
- Nicht selbst gießen: Die ECHA sieht beim Gießen zu Hause ein Gesundheitsrisiko.
- Ersatz ausprobieren: Für Drop-Shot, Texas-Rig und Grundmontagen gibt es heute schon bleifreie Gewichte.
- Nichts liegen lassen: Alte Bleie, Schnurreste und Haken gehören nicht ans Ufer oder ins Wasser.
Welche Montage mit welchem Gewicht zu deinem Zielfisch passt, zeigt der Montage-Konfigurator.
Häufige Fragen
Ist Angelblei in Deutschland verboten?
Stand 30.09.2026 nicht. Die EU hat eine Beschränkung beschlossen, die nach Übergangsfristen den Verkauf von Bleien und Ködern mit mindestens 1 % Blei verbietet. Die Veröffentlichung im Amtsblatt steht noch aus. Ein deutsches Bundes- oder Landesverbot haben wir nicht gefunden; Gewässerordnungen können strenger sein.
Ab wann gilt das EU-Bleiverbot für Angler?
Nach dem Entwurf 6 Monate nach Inkrafttreten für Bleidraht und Drop-in-Bleie, 3 Jahre für Bleie und Köder bis 50 g und 5 Jahre für Gewichte bis 1 kg. Die Verordnung tritt 20 Tage nach Veröffentlichung im Amtsblatt in Kraft; die genauen Stichtage stehen erst dann fest.
Darf ich vorhandene Bleie weiter benutzen?
Nach dem Entwurf ja: Verboten wird für Freizeitangler der Verkauf, nicht die Verwendung. Einzelne Mitgliedstaaten können aber bestehende Verwendungsverbote beibehalten, und Gewässerordnungen können strenger sein.
Welches Blei für Drop-Shot?
Als Richtwert etwa 5 bis 10 g auf Barsch und 10 bis 20 g auf Zander, in der Strömung mehr – tropfen- oder stabförmig und so leicht wie möglich, aber sicher am Grund.
Was ist die beste Alternative zu Blei?
Das hängt von der Montage ab. Wolfram ist klein und dicht, aber teuer; Stahl ist günstig, aber größer; für schwere Grundgewichte eignen sich Stein oder Beton. Messing und Zink schaden laut ECHA ebenfalls der Umwelt.
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