Hering · Beißzeiten
Hering-Beißzeiten: Wann die Frühjahrsheringe kommen
Von der Redaktion anglerkompass · Stand: September 2026 · 4 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
Die Heringssaison an der Ostsee liegt im Frühjahr, wenn die Schwärme zu den Laichplätzen ziehen. Im Greifswalder Bodden laichen sie von März bis Mai, der Laichbeginn lag in Messjahren bei 3,5 bis 4,5 °C Wassertemperatur. Tagsüber stehen Heringe oft in Grundnähe, nachts steigen sie auf. Eine Schonzeit gibt es nicht.
Der Laichzug bestimmt die Saison
Die Heringe, die im Frühjahr in deutschen Häfen und Bodden gefangen werden, gehören überwiegend zum Frühjahrslaichenden Hering der westlichen Ostsee. Das Thünen-Institut beschreibt ihren Jahreslauf so: Im Winter sammeln sich die Heringe im Öresund und wandern von dort zu den Laichgebieten an der Südküste der westlichen Ostsee. Nach dem Laichen ziehen die erwachsenen Fische ins Kattegat, ins Skagerrak und in die östliche Nordsee, um dort zu fressen. Im Sommer leben die Schwärme also weit weg von der deutschen Küste.
Für Angler heißt das: Die Heringssaison ist eine Frühjahrssaison. Sie beginnt, wenn die ersten Schwärme durch Sunde, Kanäle und Hafeneinfahrten ziehen, und endet, wenn die Fische nach dem Laichen abwandern.
Wann genau? Temperatur statt Kalender
Im Greifswalder Bodden, dem mit Abstand wichtigsten Laichgebiet, laicht der Hering nach Angaben des Thünen-Instituts von März bis Mai. Eine Studie von Polte und Kollegen (2021) beobachtete Laichgeschehen im Zeitraum März bis Juni. Der Laichbeginn lag dort bei 3,5 bis 4,5 °C Wassertemperatur – 2012 bei 3,6 °C, 2013 bei 4,3 °C und 2014 bei 3,7 °C. Das Laichmaximum kam in manchen Jahren erst etwa einen Monat später, bei über 10 °C.
Die beiden Angaben widersprechen sich nicht grundsätzlich, zeigen aber: Ein fester Termin lässt sich nicht nennen. Die Wassertemperatur ist der bessere Anhaltspunkt als das Datum. Wer die Temperaturmeldungen für die Ostsee verfolgt, erkennt ungefähr, wann es losgeht – das ist eine Ableitung aus der Biologie, keine Fangprognose.
Die Saison rückt nach vorn
Das Thünen-Institut beobachtet, dass die Heringe heute früher auf die Laichgründe wandern und früher laichen als vor 30 Jahren. Temperaturänderungen erklären mehr als die Hälfte des Nachwuchsrückgangs. Für die Praxis bedeutet das: Alte Faustregeln wie „die Heringe kommen im April“ stimmen nicht mehr unbedingt. Nach milden Wintern kann es früher losgehen.
Die beste Tageszeit
Heringe bilden dichte Schwärme, die tagsüber in Grundnähe stehen; das Thünen-Institut spricht von „Heringspfählen“. FishBase beschreibt eine tagesperiodische Vertikalwanderung: Nachts ziehen die Fische in flacheres Wasser. Daraus ergibt sich eine Faustregel – Anglererfahrung, keine Garantie:
- Tagsüber: tief fischen, das Vorfach zuerst am Grund anbieten und dann höher suchen.
- Morgens und abends: oft gute Phasen, weil die Schwärme ihre Tiefe wechseln und durch das Mittelwasser ziehen.
- Nachts: flacher fischen, etwa mit der Posenmontage. An beleuchteten Kaimauern fangen manche Angler auch nach Einbruch der Dunkelheit.
Ob Heringe zu einer bestimmten Stunde mehr fressen, ist nicht belastbar untersucht. Oft entscheidet schlicht, ob gerade ein Schwarm an deinem Platz vorbeizieht.
Wind, Strömung und Wetter
Luftdruck oder Mondphase als Beißauslöser sind beim Hering nicht untersucht. Eine größere Rolle spielen in der Praxis Wind und Strömung: In Sunden und an Brücken läuft das Wasser bei Wind oft so kräftig, dass sich das Vorfach nur mit schwerem Blei senkrecht halten lässt. Ob die Schwärme bei Strömung besser oder schlechter ziehen, lässt sich aus unseren Quellen nicht ableiten; viele Angler berichten von wechselnden Erfahrungen. Sicher ist nur: Das Frühjahr an der Ostsee ist kalt und windig. Auf Molen und Kaimauern können nasse Steine und Algen rutschig sein – feste Schuhe und warme Kleidung gehören dazu.
Der Hering im Jahresverlauf
| Zeitraum | Verhalten (belegt) | Für die Praxis (redaktionell) |
|---|---|---|
| Winter | Heringe sammeln sich im Öresund. | An der deutschen Küste meist wenig los; nach milden Wintern auf erste Meldungen achten. |
| März–Mai | Wanderung zu den Laichgebieten, Laichzeit im Greifswalder Bodden; Laichbeginn bei 3,5–4,5 °C. | Hauptsaison in Häfen, Kanälen, Sunden und an Brücken rund um die Bodden. |
| Juni | In manchen Jahren noch Laichgeschehen (Polte et al. 2021); danach Abwanderung. | Späte Fänge möglich, die Saison läuft aus. |
| Sommer und Herbst | Die Erwachsenen fressen in Kattegat, Skagerrak und östlicher Nordsee. | Keine gezielte Heringssaison an der deutschen Ostseeküste. |
Verhalten nach Thünen-Institut, FishBase und Polte et al. 2021. Andere Küstenabschnitte können abweichen.
Schonzeit und Mindestmaß
Für den Hering gibt es in keinem Küstenland eine Schonzeit. In Schleswig-Holstein gilt ein Mindestmaß von 11 cm an der Ostsee und 20 cm an der Nordsee (Anlage 1 Nr. 6 KüFVO). In Mecklenburg-Vorpommern steht der Hering nicht in der Küstenfischereiverordnung, dort darfst du an der Küste aber nur für den Eigenbedarf angeln (§ 9 Nr. 1 KüFVO M-V). Ein gesetzliches Tageslimit gibt es in beiden Ländern nicht.
Den aktuellen Stand für dein Land prüfst du mit dem Schonzeit-Checker. Die vollständigen Regeln stehen unter Regeln Schleswig-Holstein und Regeln Mecklenburg-Vorpommern.
Warum Zurückhaltung sinnvoll ist
Der Bestand steckt in der Klimafalle, wie es das Thünen-Institut nennt: Heringslarven brauchen heute rund drei Wochen früher Nahrung als vor 30 Jahren, das Zooplankton ist dann aber noch nicht ausreichend da. Je Tag späteren Wintereinbruchs sank der Larvenindex im Greifswalder Bodden um rund 3 Prozent (Polte et al. 2021). Die Laicherbiomasse liegt bei 56 Prozent des Grenzwerts Blim, und der Internationale Rat für Meeresforschung empfiehlt zum neunten Mal in Folge, die Fischerei zu schließen. Heringsangeln ist legal – wer aber nur mitnimmt, was er frisch verwertet, hilft einem Bestand, der gerade jeden Laichfisch braucht.
So nutzt du die Beißzeiten
- Plane im Frühjahr und beobachte die Wassertemperatur statt eines festen Datums.
- Fisch tagsüber tief, morgens und abends im Mittelwasser, nachts flacher.
- Such Plätze, an denen die Schwärme vorbeiziehen müssen – mehr unter Hering: Fangplätze.
- Wechsle das Vorfach, wenn es stockt. Mehr unter Hering: Köder.
Häufige Fragen
Wann ist Heringssaison an der Ostsee?
Im Frühjahr, wenn die Schwärme zu den Laichplätzen ziehen. Im Greifswalder Bodden laicht der Hering von März bis Mai, in manchen Jahren bis in den Juni. Nach milden Wintern kann es früher losgehen.
Bei welcher Wassertemperatur kommen die Heringe?
Im Greifswalder Bodden begann das Laichen in Messjahren bei 3,5 bis 4,5 Grad Wassertemperatur. Das Laichmaximum lag teils erst bei über 10 Grad.
Zu welcher Tageszeit beißen Heringe?
Tagsüber stehen die Schwärme oft in Grundnähe, nachts steigen sie in flacheres Wasser auf. Morgens und abends ziehen sie häufig durch das Mittelwasser.
Gibt es eine Schonzeit für Heringe?
Nein, weder in Schleswig-Holstein noch in Mecklenburg-Vorpommern. In SH gilt ein Mindestmaß von 11 cm an der Ostsee und 20 cm an der Nordsee.
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