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Hering · Fangplätze

Hering-Fangplätze: Hafen, Kanal, Sund und Bodden

Von der Redaktion anglerkompass · Stand: September 2026 · 4 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Heringe fängst du dort, wo die Schwärme auf dem Weg zu den Laichplätzen vorbeiziehen müssen: in Sunden, Kanälen, Hafeneinfahrten und an Brücken. Das wichtigste Laichgebiet ist der Greifswalder Bodden. Molen, Kaimauern und Brücken mit tiefem Wasser direkt vor den Füßen sind die klassischen Plätze für das Heringsvorfach.

500 km²Greifswalder Bodden, wichtigste Kinderstube
3,5 mTiefengrenze der Laichpflanzen im Bodden
100 mAbstand zu anderen Fanggeräten, Küste MV

Wo der Frühjahrshering hinwill

Der Frühjahrslaichende Hering der westlichen Ostsee wandert jedes Jahr aus dem Öresund zu den Laichgebieten an der Südküste der westlichen Ostsee. Das mit Abstand wichtigste Laichgebiet ist der Greifswalder Bodden, gut 500 km² groß und zugleich die wichtigste Kinderstube dieses Herings. Die Eier werden je nach Bestand auf Kies oder Wasserpflanzen am Grund angeheftet. Im Greifswalder Bodden sind Wasserpflanzen ein Hauptlaichsubstrat – sie haben sich dort auf eine Tiefengrenze von 3,5 m zurückgezogen (Polte et al. 2021).

Für die Platzwahl heißt das: Heringe ziehen im Frühjahr in großen Schwärmen auf festen Wegen. Wer einen Engpass auf diesem Weg findet, hat gute Chancen.

Die wichtigsten Fangplätze

Sunde und Meerengen

Wo sich das Wasser zwischen Festland und Insel verengt, müssen die Schwärme hindurch. Strömung ist dort normal, darum brauchst du schwerere Bleie. Unter Anglern gelten der Strelasund und der Peenestrom als klassische Heringsreviere – das ist Praxiswissen, keine Fangstatistik. Beachte: Im Strelasund gilt für Boote Ankerpflicht, Driftangeln mit Treibanker ist erlaubt (§ 9 Nr. 6 KüFVO M-V).

Hafeneinfahrten und Kanäle

Hafeneinfahrten und Kanäle verbinden das offene Wasser mit Bodden, Haffen und Flussmündungen. Heringe nutzen sie als Zugweg. Molenköpfe und Kaimauern an der Einfahrt bieten tiefes Wasser direkt unter dir – ideal für das senkrecht geführte Heringsvorfach.

Brücken

Brücken über Sunde und Kanäle sind beliebt, weil du dort direkt über dem Zugweg stehst. Ob das Angeln von einer Brücke erlaubt ist, regeln Straßen- und Hafenbehörden – nicht die Fischereiverordnung. Informiere dich vor Ort.

Innenhäfen und Hafenbecken

In ruhigen Hafenbecken halten sich Schwärme oft länger auf, besonders abends. Hier spielt die Posenmontage ihre Stärken aus. Viele Hafenordnungen verbieten das Angeln an Liegeplätzen, Fähranlegern und im Bereich des Schiffsverkehrs.

Schleswig-Holstein

Auch in Schleswig-Holstein ziehen im Frühjahr Heringe in Förden und Häfen. Genauere Angaben zu Laichplätzen an der schleswig-holsteinischen Küste enthalten unsere Quellen nicht; wer dort gezielt sucht, orientiert sich am besten an Hafeneinfahrten und Engstellen und fragt vor Ort nach, wo gerade gefangen wird.

In welcher Tiefe?

Heringe bilden tagsüber dichte Schwärme in Grundnähe, nachts steigen sie in flacheres Wasser auf. Jung- und Altfische halten sich oft in getrennten Gebieten auf – das Thünen-Institut beschreibt das allgemein, und FishBase ergänzt, dass Jungfische bis zwei Jahre küstennah schwärmen, Erwachsene weiter draußen. Fängst du nur sehr kleine Heringe, kann ein anderer Platz größere Fische bringen. Das ist eine Ableitung, keine Garantie.

Platz Typische Tiefe vor dir Montage (redaktionell)
Molenkopf, Kaimauer tief, direkt unter dir Heringsvorfach mit Blei, senkrecht
Brücke über Sund oder Kanal tief, oft mit Strömung Vorfach mit schwerem Blei
Innenhafen mittel, ruhiges Wasser Posenmontage oder leichtes Vorfach
Flaches Ufer am Kanal flach, Schwarm weiter draußen Wurfmontage

Redaktionelle Einschätzung, Stand September 2026.

Plätze im Verlauf der Saison

Phase Was passiert (belegt) Wo du suchst (redaktionell)
Früh im Jahr Die Heringe wandern aus dem Öresund zu den Laichgebieten an der Südküste der westlichen Ostsee. Engstellen auf dem Zugweg: Sunde, Hafeneinfahrten, Kanäle.
Laichzeit Laichen im Greifswalder Bodden März bis Mai, Eier an Wasserpflanzen oder Kies. Häfen und Kanäle rund um die Bodden, ruhige Hafenbecken am Abend.
Nach dem Laichen Die Erwachsenen wandern ins Kattegat, Skagerrak und in die östliche Nordsee. Die Fänge lassen nach; zurückbleibende Schwärme eher an den Ausgängen der Bodden.

Redaktionelle Einschätzung, Stand September 2026 – abgeleitet aus den Wanderungen laut Thünen-Institut.

So findest du den Schwarm

  • Andere Angler beobachten: Wo viele Angler mit gekrümmten Ruten stehen, zieht gerade ein Schwarm. Halte Abstand und fisch senkrecht.
  • Tiefe systematisch absuchen: Vom Grund aus Meter für Meter höher, bis es zupft.
  • Ruhig bleiben: Heringe hören hervorragend und lassen sich durch laute Geräusche vergrämen (Thünen-Institut).
  • Vögel und Echolot: Kreisende Möwen und Kormorane können auf Kleinfisch hindeuten, vom Boot zeigt das Echolot den Schwarm als dichte Wolke – Praxiswissen.

Vom Boot

Vom Kleinboot erreichst du Schwärme, die nicht in Ufernähe ziehen. In Mecklenburg-Vorpommern gilt für Boote im Strelasund, im Rassower Strom und Wieker Bodden sowie im Having Ankerpflicht (§ 9 Nr. 6 KüFVO M-V). Zu Stellnetzen und anderen Fanggeräten hältst du 100 m Abstand (§ 9 Nr. 5). Im Frühjahr ist das Wasser kalt: Rettungsweste tragen, Wetterbericht prüfen, nicht allein hinausfahren.

Sicherheit an Molen und Kaimauern

Heringsplätze sind oft hohe Kaimauern und Molenköpfe ohne Geländer. Nasse Steine, Algen und im zeitigen Frühjahr auch Eis machen sie rutschig. Stell dich nicht an die äußerste Kante, halte Kinder an der Hand und nimm einen Kescher mit langem Stiel mit, statt dich über die Kante zu beugen. An engen Plätzen mit vielen Anglern gilt: Beim Auswerfen nach hinten schauen und lieber senkrecht fischen.

Wo du nicht angeln darfst

  • Mecklenburg-Vorpommern: Fisch- und Laichschonbezirke nach §§ 11 und 12 KüFVO M-V – gerade in Bodden und Haffen wichtig.
  • Schleswig-Holstein: Laich- und Fischschonbezirke nach § 7 mit Anlage 2 KüFVO.
  • Häfen und Brücken: Hafenordnungen und Verkehrsregeln können das Angeln verbieten, etwa an Fähranlegern.

Beifang von Dorsch darfst du 2026 in der Ostsee nicht behalten (Art. 10 Abs. 1 VO (EU) 2025/2454). Mehr zur Art findest du unter Hering, die Saison unter Hering: Beißzeiten und die Montagen unter Hering: Montagen.

Häufige Fragen

Wo kann man an der Ostsee Heringe angeln?

Dort, wo die Schwärme im Frühjahr auf dem Weg zu den Laichplätzen vorbeiziehen: in Sunden, Kanälen, Hafeneinfahrten und an Brücken. Das wichtigste Laichgebiet ist der Greifswalder Bodden.

In welcher Tiefe stehen Heringe?

Tagsüber oft in Grundnähe, nachts in flacherem Wasser. Am besten suchst du die Tiefe mit dem Heringsvorfach vom Grund aus Meter für Meter ab.

Muss ich beim Heringsangeln vom Boot ankern?

Im Strelasund, im Rassower Strom und Wieker Bodden sowie im Having gilt für Boote Ankerpflicht; Driftangeln mit Treibanker ist dort erlaubt (§ 9 Nr. 6 KüFVO M-V).

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