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Plattfische · Köder

Plattfisch-Köder: Wurm, Fetzen und Buttlöffel

Von der Redaktion anglerkompass · Stand: September 2026 · 6 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Der wichtigste Köder für Flunder, Scholle und Kliesche ist der Wurm – Wattwurm oder Seeringelwurm, am Grund angeboten. Das passt zu ihrer Nahrung aus Borstenwürmern, dünnschaligen Muscheln und Krebsen. Der Steinbutt frisst dagegen vor allem Fische wie Sandaale und Grundeln und wird mit Fischfetzen gefangen. Vom Boot bewährt sich der Buttlöffel mit Wurm.

WattwurmStandardköder vom Strand, bewährte Praxis
25 cmMindestmaß Flunder und Ostsee-Scholle in SH und MV
WürmerHauptnahrung von Flunder, Scholle und Kliesche
FischHauptnahrung des Steinbutts

Vorab: Welche Plattfische du fängst und was gilt

An der deutschen Ostseeküste fängst du vor allem vier Plattfische: die Flunder, die Scholle, die Kliesche und seltener den Steinbutt. Für sie gelten unterschiedliche Regeln. In Schleswig-Holstein beträgt das Mindestmaß für Flunder 25 cm, für die Scholle an der Ostsee 25 cm und an der Nordsee 27 cm; weibliche Flundern und Schollen sind vom 1. Februar bis 30. April geschont (Anlage 1 Nr. 9 und 10 KüFVO). In Mecklenburg-Vorpommern gelten für Flunder und Scholle 25 cm ohne Schonzeit (§ 4 KüFVO M-V). Der Steinbutt ist in beiden Ländern an der Ostsee vom 1. Juni bis 31. Juli geschont (Anlage 1 KüFVO SH, § 5 KüFVO M-V), in Schleswig-Holstein gilt für ihn ein Mindestmaß von 30 cm.

Zu den EU-Mindestgrößen: Die Mindestreferenzgrößen der Verordnung (EU) 2019/1241 gelten nach deren Art. 2 Abs. 2 für die Freizeitfischerei nur, soweit die Kommission das per delegiertem Rechtsakt vorsieht. Wir nennen deshalb nur die Landeswerte. Und: Einen Dorsch, der beim Plattfischangeln an den Haken geht, darfst du 2026 in der Ostsee nicht behalten (Art. 10 Abs. 1 VO (EU) 2025/2454) – sofort schonend zurücksetzen.

Mindestmaße für Plattfische in Schleswig-Holstein
Flunder, Ost- und Nordsee25 cm
Scholle, Ostsee25 cm
Scholle, Nordsee27 cm
Steinbutt30 cm

Anlage 1 Küstenfischereiverordnung Schleswig-Holstein, Stand 16.12.2025. In Mecklenburg-Vorpommern gelten für Flunder und Scholle ebenfalls 25 cm (§ 4 KüFVO M-V).

Die Plattfisch-Köder im Überblick

Die Matrix zeigt, welche Köder sich beim Plattfischangeln an der Küste bewährt haben. Sie ist eine redaktionelle Einschätzung aus der Angelpraxis – keine Messung.

Köder Flunder Scholle Kliesche Steinbutt Strand Boot
Wattwurm sehr gut sehr gut sehr gut mäßig sehr gut gut
Seeringelwurm sehr gut gut gut mäßig sehr gut sehr gut
Garnele oder Krabbe gut mäßig gut mäßig gut gut
Fischfetzen (Hering, Sandaal) mäßig mäßig mäßig sehr gut gut sehr gut
Buttlöffel mit Wurm sehr gut gut gut mäßig mäßig sehr gut

Redaktionelle Einschätzung, Stand September 2026.

Was fressen Plattfische?

Die vier Arten haben ähnliche, aber nicht gleiche Speisezettel. Das Thünen-Institut beschreibt sie so:

  • Flunder: dünnschalige Muscheln, Borstenwürmer, Krebse und kleine Fische. Jungfische unter einem Jahr fressen Plankton und Insektenlarven (FishBase).
  • Scholle: dünnschalige Muscheln und Borstenwürmer.
  • Kliesche: Würmer, Krebse, Schlangensterne, Muscheln und Schnecken, gelegentlich kleine Fische wie Grundeln und Sandaale.
  • Steinbutt: vor allem Bodenfische wie Sandaale und Grundeln und Freiwasserfische wie Sprotte und Hering, weniger Krebse und Weichtiere.

Watt- und Seeringelwürmer gehören zu den Borstenwürmern. Dass Wurmköder beim Plattfischangeln seit jeher die erste Wahl sind, passt also gut zur Biologie. Beim Steinbutt ist es anders: Er ist ein Fischfresser, und darum fängt ihn ein Fischfetzen besser als ein Wurm – eine Ableitung aus der Nahrung, die sich mit der Praxis vieler Bootsangler deckt.

Der Wattwurm: Klassiker vom Strand

Der Wattwurm ist weich, duftet stark und gibt am Grund viel Geruch ab. Vom Strand und von der Seebrücke ist er für Flunder, Scholle und Kliesche der Standardköder. Seine Schwäche: Er hält schlecht am Haken und fliegt beim weiten Wurf gern ab. Bewährt haben sich folgende Handgriffe – Praxiswissen:

  • Mit der Ködernadel aufziehen: Den Wurm mit einer langen Ködernadel auf den Haken und ein Stück auf die Mundschnur schieben. So sitzt er fester.
  • Frisch ist besser: Wattwürmer kühl und feucht lagern, am besten in Zeitungspapier, und bald verbrauchen.
  • Öfter wechseln: Ein ausgelaugter Wurm verliert seinen Duft. Nach 15 bis 20 Minuten frisch beködern, Richtwert.

Wattwürmer selbst zu graben ist in Schleswig-Holstein geregelt: Für den Eigenbedarf darfst du sie nur mit gültigem Fischereischein im Handstich oder Handspülverfahren gewinnen (§ 12 KüFVO). In Nationalparks und Schutzgebieten können zusätzliche Verbote gelten.

Der Seeringelwurm: robust und beweglich

Seeringelwürmer sind fester als Wattwürmer, halten beim Wurf besser und bewegen sich am Haken. Viele Angler nehmen sie vom Boot und an Tagen mit Krabben- oder Grundelplage, weil sie länger am Haken überleben. Kombiniert mit einem Stück Wattwurm verbindest du Haltbarkeit und Duft – bewährte Praxis.

Garnele, Krabbe und Muschel

Flunder und Kliesche fressen auch Krebstiere, Flunder und Scholle dünnschalige Muscheln. Kleine Garnelen oder Stücke von Krabben und Miesmuscheln sind deshalb eine Alternative, wenn gerade keine Würmer zu bekommen sind. In der Praxis spielen sie eine kleinere Rolle als der Wurm, vor allem weil sie schlechter am Haken halten.

Fischfetzen für den Steinbutt

Wer gezielt auf Steinbutt angelt, beködert mit Fischfetzen: schmale Streifen von Hering oder Makrele, ein ganzer kleiner Sandaal oder ein Stück Grundel. Das passt zur Nahrung, die das Thünen-Institut beschreibt. Der Fetzen sollte, als Richtwert, etwa 5 bis 10 cm lang sein und leicht in der Strömung flattern. Steinbutte sind in der Ostsee eher selten Zielfisch für Angler; der Bestand ist zudem unklar, die fischereiliche Sterblichkeit liegt über dem nachhaltigen Niveau. Ein gefangener Steinbutt ist ein besonderer Fisch – und ein Grund, mit Maß zu entnehmen.

Der Buttlöffel: Lockmittel vom Boot

Der Buttlöffel ist ein flacher, meist weißer oder silberner Metall- oder Kunststofflöffel vor einem Wurmhaken. Beim langsamen Driften oder Schleifen über den Grund wirbelt er Sand auf und flattert – das soll Plattfische neugierig machen. Studien dazu gibt es nicht; die Methode ist bei Bootsanglern an der Ostsee aber weit verbreitet und gilt als besonders fängig auf Flunder. Du führst den Buttlöffel langsam, mit leichtem Zupfen, und hältst dabei Grundkontakt. Wie die Montage aussieht, zeigt die Seite Plattfische: Montagen.

Lockperlen und Farben

Viele Plattfischangler fädeln bunte oder nachleuchtende Perlen vor den Haken, vor allem Rot, Gelb, Grün und Orange. Für Sinnesleistungen der Plattfische haben wir keine belastbare Fachquelle gefunden – ob Perlen wirklich mehr Fische bringen, ist also offen. Eine Faustregel aus der Praxis: im trüben Wasser und nachts eher auffällig, bei klarem Wasser dezent. Wenn es nicht läuft, ohne Perlen probieren.

Welcher Haken?

Plattfische haben ein kleines Maul. Bewährt haben sich schlanke Haken mit langem Schenkel, auf die sich der Wurm gut aufziehen lässt; als Richtwert etwa Größe 1 bis 6 für Flunder und Scholle, etwas kleiner für Kliesche, etwas größer für Steinbutt. Ein langer Schenkel erleichtert das Lösen, wenn ein Fisch den Köder tief genommen hat – wichtig, wenn du untermaßige Fische zurücksetzen willst.

Arten richtig bestimmen

Weil Mindestmaße und Schonzeiten je Art unterschiedlich sind, solltest du die Plattfische auseinanderhalten können. Ein sicheres Merkmal der Kliesche ist ihre Seitenlinie, die über der Brustflosse halbkreisförmig gekrümmt ist (Thünen-Institut). In der Ostsee leben zudem zwei Flunderarten: die Europäische Flunder und die 2018 beschriebene Ostseeflunder, die sich äußerlich kaum unterscheiden. Für Angler zählen beide als Flunder. Ob eine Flunder oder Scholle weiblich ist, lässt sich am Wasser nicht immer sicher erkennen. Wir empfehlen: In Schleswig-Holstein zwischen 1. Februar und 30. April im Zweifel zurücksetzen.

Köder im Jahresverlauf

Große Flundern liegen tagsüber im Sand eingegraben und ziehen nachts zum Fressen ins Flachwasser; im Sommer halten sie sich in Flussmündungen, Lagunen und Förden auf, im Winter wandern die Erwachsenen in tieferes, wärmeres und salzreicheres Wasser. Daraus ergibt sich eine grobe Orientierung – redaktionelle Einschätzung:

  • Frühjahr: Wattwurm vom Strand und von der Seebrücke. In SH weibliche Flundern und Schollen bis 30. April zurücksetzen.
  • Sommer: Flunder in Förden und Mündungen mit Wurm, vom Boot Buttlöffel. Steinbutt ist in Mecklenburg-Vorpommern (§ 5 KüFVO M-V) und in der Ostsee Schleswig-Holsteins (Anlage 1 KüFVO) vom 1. Juni bis 31. Juli geschont.
  • Herbst: Klassische Brandungszeit am Abend und in der Nacht mit Watt- und Seeringelwurm.
  • Winter: Tiefer fischen, weil die großen Flundern ins tiefere Wasser ziehen – von der Seebrücke oder weit geworfen.

Maßvoll entnehmen

Die Lage der Bestände ist unterschiedlich. Die Ostsee-Scholle hat laut Thünen-Institut ein neues Rekordhoch der Laicherbiomasse erreicht, die Flunder in der südlichen Ostsee gilt als stabil, und die Laicherbiomasse der Ostsee-Kliesche schwankt um den Zielwert. Beim Steinbutt ist der Zustand unklar, die Biomasse-Indikatoren waren zuletzt rückläufig. Nimm deshalb vor allem beim Steinbutt nur mit, was du wirklich verwertest. Mehr zu den Arten findest du unter Plattfische, die besten Plätze unter Plattfische: Fangplätze.

Häufige Fragen

Was ist der beste Köder für Plattfische?

Für Flunder, Scholle und Kliesche der Wurm, vor allem Wattwurm und Seeringelwurm. Für den Steinbutt eignen sich Fischfetzen besser, weil er sich überwiegend von Fischen wie Sandaalen und Grundeln ernährt.

Wattwurm oder Seeringelwurm für Flunder?

Beide fangen. Der Wattwurm duftet stärker, hält aber schlechter am Haken. Der Seeringelwurm ist robuster und beweglicher. Viele Angler kombinieren beide an einem Haken.

Was ist ein Buttlöffel?

Ein flacher, meist weißer oder silberner Löffel vor einem Wurmhaken. Beim langsamen Driften oder Schleifen über den Grund wirbelt er Sand auf und soll Plattfische anlocken. Die Methode ist vor allem vom Boot verbreitet.

Welches Mindestmaß gilt für Flunder an der Ostsee?

In Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern je 25 cm. In Schleswig-Holstein sind weibliche Flundern zusätzlich vom 1. Februar bis 30. April geschont.

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