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Echolot beim Angeln: So funktioniert es und so liest du es
Von der Redaktion anglerkompass · Stand: September 2026 · 5 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
Ein Echolot sendet einen kurzen Schallimpuls ins Wasser und misst, wie lange das Echo braucht. Aus der Laufzeit und der Schallgeschwindigkeit – im Meer rund 1.500 m pro Sekunde – berechnet es die Tiefe. Fische erscheinen vor allem wegen ihrer luftgefüllten Schwimmblase. Hohe Frequenzen zeigen mehr Details, reichen aber weniger tief. Ob es erlaubt ist, regelt die Gewässerordnung.
Wie funktioniert ein Echolot?
Ein Echolot ist ein aktives Sonar. Der Geber, der am Boot unter Wasser hängt, sendet einen kurzen Schallimpuls nach unten. Trifft der Schall auf ein Hindernis – den Grund, einen Stein oder einen Fisch –, wird ein Teil davon zurückgeworfen. Der Geber empfängt dieses Echo, misst die Zeit zwischen Senden und Empfang und die Stärke des Signals. So beschreibt es die US-Meeresbehörde NOAA für alle aktiven Sonarsysteme.
Aus der Laufzeit ergibt sich die Entfernung. Schall breitet sich in Meerwasser laut NOAA mit rund 1.500 m pro Sekunde aus, mehr als viermal so schnell wie in Luft. In reinem Süßwasser ist Schall etwas langsamer und hängt stärker von der Temperatur ab: nach der Formel von Bilaniuk und Wong (1993) rund 1.482 m pro Sekunde bei 20 °C und rund 1.426 m pro Sekunde bei 5 °C. Für die Tiefenanzeige beim Angeln macht dieser Unterschied nur wenige Prozent aus. Ein Rechenbeispiel: Liegt der Grund 10 m tief, legt der Schall hin und zurück 20 m zurück und ist nach etwa 13 Millisekunden wieder am Geber. Das Gerät wiederholt diese Messung viele Male pro Sekunde und schreibt die Echos als Streifen von rechts nach links über den Bildschirm. Was du siehst, ist also keine Momentaufnahme, sondern eine Zeitspur dessen, was unter dem Boot durchgezogen ist.
Warum zeigt das Echolot Fische?
Fisch und Wasser sind sich akustisch recht ähnlich, Fleisch reflektiert Schall nur schwach. Stark reflektiert dagegen die luftgefüllte Schwimmblase. Foote (1980) verglich Dorschartige mit Schwimmblase und Makrelen ohne Schwimmblase und kam zu dem Ergebnis, dass die Schwimmblase rund 90–95 % des Echos ausmacht, gemessen an Fischen von 29 bis 42 cm bei 38 und 120 kHz.
Daraus folgt dreierlei für die Praxis:
- Die Größe des Echos ist nicht die Größe des Fischs. Sie hängt von Schwimmblase, Lage des Fischs im Kegel und Winkel zum Geber ab. Größenangaben auf dem Display sind nach unserer Einschätzung nur grobe Schätzungen des Geräts.
- Fische ohne Schwimmblase wie die Makrele und Plattfische am Grund zeigen schwache oder kaum erkennbare Echos.
- Futterfischschwärme erscheinen als Wolke, weil viele kleine Schwimmblasen zusammen ein starkes Echo ergeben. Auf sie achten Raubfischangler beim Vertikalangeln und Schleppangeln.
Was bedeutet die Frequenz?
Echolote arbeiten mit Ultraschall, also mit Frequenzen oberhalb des menschlichen Hörbereichs. Wissenschaftliche Echolote nutzen laut Furusawa (2015) oft mehrere Frequenzen zwischen 18 und 710 kHz gleichzeitig, um verschiedene Tiere zu unterscheiden. Für die Frequenz gilt ein physikalischer Zielkonflikt:
- Hohe Frequenz: kürzere Wellenlänge, dadurch feinere Auflösung – einzelne Fische dicht beieinander oder knapp über dem Grund lassen sich besser trennen. Dafür wird hochfrequenter Schall stärker im Wasser gedämpft. Oberhalb von etwa 100 kHz steigt die Dämpfung laut Furusawa schnell an.
- Niedrige Frequenz: reicht tiefer und kommt mit größerer Tiefe besser zurecht, zeigt aber weniger Details.
Für die meisten Binnengewässer mit wenigen Metern bis einigen Dutzend Metern Tiefe spielt die Dämpfung nach unserer Einschätzung kaum eine Rolle; dort lohnt die höhere Frequenz. In tiefen Fjorden wie in Norwegen, wo du auf 100 m und mehr angelst, ist die niedrige Frequenz im Vorteil.
Wie groß ist der Bereich, den das Echolot sieht?
Der Schall verlässt den Geber als Kegel. Sein Öffnungswinkel steht in der Anleitung des Geräts. Je tiefer das Wasser, desto breiter der Kegel am Grund. Die Grafik zeigt den Durchmesser am Grund für einen Kegel von 20° – eine rein geometrische Rechnung (Durchmesser = 2 × Tiefe × tan 10°).
Geometrische Rechnung der Redaktion: Durchmesser = 2 × Tiefe × tan(Öffnungswinkel/2)
Bei einem Kegel von 60° wären es in 10 m Tiefe schon rund 11,5 m. Das erklärt zwei typische Missverständnisse. Erstens: Ein Fisch auf dem Display steht nicht zwingend genau unter dem Boot, sondern irgendwo im Kegel. Zweitens: In flachem Wasser siehst du nur einen schmalen Streifen, Fische weichen dem Boot dort außerdem gern seitlich aus. Seitlich abstrahlende Geber (Side-Scan) und Geräte mit Livebild erweitern das Blickfeld; das Prinzip bleibt dasselbe.
Wie liest du das Echolotbild?
- Grundlinie: die kräftigste Linie unten. Harter Grund wie Stein oder Kies wirft mehr Schall zurück als weicher Schlamm; die Linie wird dicker und heller. Viele Geräte zeigen dahinter ein zweites, schwächeres Echo in doppelter Tiefe – ein Mehrfachecho, kein zweiter Grund.
- Sicheln: Ein Fisch, der durch den Kegel zieht, ist am Rand weiter vom Geber entfernt als in der Mitte. Deshalb erscheint er als Bogen. Halbe oder flache Striche entstehen, wenn der Fisch nur den Rand streift oder das Boot sehr langsam fährt.
- Toter Winkel am Grund: Fische, die sehr dicht am Grund stehen, gehen im Grundecho unter. Ona und Mitson (1996) beschreiben diese akustische Totzone ausführlich; sie wird mit größerer Tiefe und breiterem Kegel größer. Leere Anzeige am Grund heißt also nicht, dass dort nichts ist.
- Kanten und Struktur: Wo die Grundlinie steil ansteigt oder abfällt, liegt eine Kante. An Kanten, Plateaus und Rinnen stehen viele Raubfische, wie auf den Standplatzseiten etwa zum Zander beschrieben.
- Sprungschicht: Im Sommer zeigt ein empfindlich eingestelltes Echolot in tiefen Seen manchmal eine diffuse Linie im Freiwasser. Warum sich Fische dort sammeln, erklärt die Seite Gewässerkunde.
Nach unserer Erfahrung lohnt es sich, die Automatik des Geräts zunächst eingeschaltet zu lassen und die Empfindlichkeit erst anzupassen, wenn du das Bild an einer bekannten Stelle einschätzen kannst.
Darfst du ein Echolot beim Angeln benutzen?
Ein allgemeines gesetzliches Verbot haben wir in den Landesverordnungen, die wir ausgewertet haben, nicht gefunden. Viele Gewässerordnungen regeln das Thema aber selbst: Manche verbieten Echolote ganz, manche nur beim Schleppangeln oder auf bestimmten Seen, manche erlauben sie nur zur Tiefenmessung. Oft hängt das Echolot auch daran, ob Boote und Motoren überhaupt zugelassen sind. Prüfe deshalb die Bedingungen deiner Angelkarte und die Übersicht unter Regeln. Wer mit dem Boot auf größere Gewässer fährt, findet Hinweise zu Rettungsweste und Wetter unter Sicherheit am Wasser.
Häufige Fragen
Wie misst ein Echolot die Tiefe?
Es sendet einen Schallimpuls nach unten und misst die Zeit, bis das Echo vom Grund zurückkommt. Mit der Schallgeschwindigkeit – im Meer rund 1.500 m pro Sekunde – rechnet es die Zeit in eine Entfernung um. Bei 10 m Tiefe dauert das etwa 13 Millisekunden.
Warum erscheinen Fische als Sicheln?
Ein Fisch, der durch den Schallkegel zieht, ist am Rand weiter vom Geber entfernt als in der Mitte. Das Gerät zeichnet ihn deshalb erst tiefer, dann flacher und wieder tiefer – es entsteht ein Bogen.
Welche Frequenz ist besser?
Hohe Frequenzen zeigen mehr Details, werden aber stärker gedämpft und reichen weniger tief. Niedrige Frequenzen reichen tiefer, zeigen aber weniger. Für flache Binnengewässer lohnt nach unserer Einschätzung die höhere, für sehr tiefe Fjorde die niedrigere Frequenz.
Kann ein Echolot die Fischgröße messen?
Nur grob. Das Echo stammt zu rund 90–95 % von der Schwimmblase und hängt von Lage und Winkel des Fischs im Kegel ab. Größenangaben auf dem Display sind deshalb Schätzungen des Geräts.
Ist ein Echolot beim Angeln erlaubt?
Ein allgemeines Landesverbot haben wir nicht gefunden, viele Gewässerordnungen verbieten oder beschränken Echolote aber. Maßgeblich sind die Bedingungen deiner Angelkarte.
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