Methode
Vertikalangeln: Gummifisch senkrecht unter dem Boot führen
Von der Redaktion anglerkompass · Stand: September 2026 · 8 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
Beim Vertikalangeln hängt der Köder senkrecht unter dem Boot. Du lässt einen Gummifisch am Jigkopf zum Grund sinken, hebst ihn mit kleinen Bewegungen der Rute knapp darüber an und lässt ihn wieder absinken. Weil die Schnur senkrecht steht, spürst du jeden Kontakt. Die Methode zielt vor allem auf Zander und Barsch an tiefen Kanten.
Was ist Vertikalangeln?
Beim Vertikalangeln fischst du nicht mit Würfen, sondern direkt unter dem Boot. Die Schnur steht senkrecht von der Rutenspitze bis zum Köder. Du lässt einen Gummifisch am Jigkopf bis zum Grund sinken, hebst ihn mit kleinen Rutenbewegungen ein Stück an und lässt ihn wieder absinken. Der Köder bleibt dabei die ganze Zeit in der Zone knapp über dem Grund, in der viele Raubfische stehen. Die Bewegung ähnelt dem Pilken im Meer, ist aber viel feiner: kleinere Köder, kürzere Sprünge, leichteres Gerät.
Der große Vorteil ist der direkte Kontakt. Weil die Schnur kaum einen Bogen macht, spürst du Grund, Steine, Muschelbänke und auch zaghafte Bisse sehr deutlich. Und weil du den Köder genau über einer Stelle anbietest, kannst du ihn an Kanten, Löchern und Hindernissen präsentieren, die du vom Ufer nie erreichen würdest. Die Methode braucht allerdings ein Boot und etwas Übung darin, das Boot über der richtigen Stelle zu halten.
Wann und wo lohnt sich das Vertikalangeln?
Der wichtigste Zielfisch ist der Zander. Er steht oft bodennah an Kanten, in tiefen Rinnen und an Strukturen wie Steinfeldern und versunkenem Holz. Ebenso gut fängt die Methode Barsche, die sich im Herbst und Winter an tiefen Kanten sammeln. Gelegentlich beißt ein Hecht, weshalb du in Hechtgewässern das Vorfach bewusst wählen solltest. Auch der Wels wird vom Boot aus vertikal befischt, dann aber mit Köderfisch oder großen Ködern und einer eigenen Technik – das beschreiben die Wels-Montagen. Auf tiefen Seen nutzen Angler senkrechte Montagen auch für den Saibling.
Typische Reviere sind große Flüsse mit Buhnen und tiefen Fahrrinnen, Kanäle, Talsperren und tiefe Seen. Nach unserer Erfahrung ist das Vertikalangeln vor allem in der kalten Jahreszeit stark, vom Herbst bis in den Winter, wenn die Fische tief stehen und einen langsam, fast auf der Stelle angebotenen Köder wollen. Im Sommer fängt die Methode ebenfalls, dann stehen die Fische aber oft verteilter und höher. Die passenden Zeiten stehen auf den Seiten der Zielfische, etwa unter Zander-Beißzeiten. Wie die Aussichten gerade sind, zeigt der Beißindex.
Die Montage: Gummifisch am Jigkopf
Die Montage entspricht im Kern der Jigkopf-Montage vom Ufer, die unter Jiggen und Faulenzen ausführlich beschrieben ist. Beim Vertikalangeln verschieben sich aber die Gewichte. Als Hauptschnur hat sich eine dünne geflochtene Schnur bewährt, die sich kaum dehnt und in der Strömung wenig Widerstand bietet. Davor sitzt ein Vorfach aus Fluorocarbon, als Richtwert ein bis zwei Meter lang. Es ist unauffälliger und abriebfester an Steinen und Muscheln. Verbunden werden beide mit dem FG-Knoten oder dem Albright-Knoten. Den Jigkopf bindest du mit dem Uni-Knoten oder dem Palomar-Knoten an.
Das richtige Gewicht
Weil die Schnur senkrecht steht, brauchst du beim Vertikalangeln meist weniger Gewicht als beim Werfen vom Ufer. Entscheidend ist, dass die Schnur bei deiner Drift senkrecht bleibt und du den Grund bei jedem Absinken klar spürst. Als grober Richtwert reichen in Seen und langsamen Gewässern bis etwa 15 m Tiefe oft 10 bis 25 g. In der Strömung großer Flüsse, bei Wind oder in größerer Tiefe brauchst du mehr. Läuft die Schnur schräg vom Boot weg, ist der Kopf zu leicht oder das Boot treibt zu schnell.
Der Köder
Für den Zander haben sich schlanke Gummifische von etwa 7 bis 12 cm bewährt, für Barsche kleinere von 5 bis 8 cm. Köder mit kleinem Schaufelschwanz oder ganz ohne Schaufel spielen schon bei kleinsten Bewegungen und wirken nach unserer Erfahrung im kalten Wasser oft besser als stark arbeitende Modelle. Farben und Formen stehen unter Zander-Köder und Barsch-Köder.
Zusatzhaken
Zander packen beim Vertikalangeln oft nur zaghaft zu oder greifen den Köder von hinten. Viele Angler setzen deshalb einen kleinen Angstdrilling im hinteren Teil des Gummifischs. Ob Mehrfachhaken an Kunstködern erlaubt sind, ist je nach Land und Gewässer unterschiedlich geregelt. Prüf das, bevor du einen Zusatzhaken montierst.
Die Montage Schritt für Schritt
- Hauptschnur und Vorfach verbinden
Verbinde die dünne geflochtene Hauptschnur mit einem Fluorocarbon-Vorfach, etwa mit dem FG- oder dem Albright-Knoten. In Gewässern mit Hechten nimmst du ein Stahl- oder Titanvorfach. - Jigkopf wählen
Wähle das Gewicht so, dass die Schnur bei deiner Drift senkrecht bleibt und du den Grund bei jedem Absinken deutlich spürst. Beim Vertikalangeln reicht meist weniger Gewicht als beim Werfen. - Hakengröße prüfen
Lege den Jigkopf außen an den Gummifisch. Die Hakenspitze sollte etwa in der Mitte des Köders oder etwas dahinter austreten. - Köder aufziehen
Ziehe den Gummifisch gerade auf den Haken, sodass die Spitze oben am Rücken austritt. Ein schief sitzender Köder dreht sich und verdrallt die Schnur. - Jigkopf anknoten
Binde den Jigkopf mit dem Uni- oder dem Palomar-Knoten ans Vorfach, feuchte den Knoten an und zieh ihn langsam zu. - Optional Angstdrilling setzen
Bei vorsichtigen Bissen setzen manche Angler einen kleinen Zusatzhaken in den hinteren Teil des Köders. Prüfe vorher, ob Mehrfachhaken an deinem Gewässer erlaubt sind. - Lauf und Tiefe prüfen
Lass den Köder neben dem Boot ab, beobachte seinen Lauf und merke dir, wie viel Schnur bis zum Grund ausläuft.
So führst du den Köder
- Köder nur wenige Zentimeter anheben
- Kurz über Grund stehen lassen, Schnur senkrecht und gespannt
- Boot langsam treiben lassen oder mit dem Motor Position halten
Führung schematisch, redaktionelle Einschätzung. Gestrichelt: Weg des Köders.
Die Animation zeigt das Prinzip: kleine Sprünge direkt unter dem Boot. So gehst du vor:
- Absinken lassen. Öffne den Rollenbügel und lass den Köder an leicht gebremster Schnur zum Grund sinken. Du erkennst den Grundkontakt daran, dass die Schnur erschlafft.
- Kontakt herstellen. Schließ den Bügel und kurbel die lose Schnur ein, bis du den Köder spürst. Heb ihn dann etwa 10 bis 30 cm vom Grund ab – als Richtwert ist das die wichtigste Zone.
- Kleine Sprünge. Heb die Rutenspitze nur ein Stück an, sodass der Köder wenige Zentimeter bis etwa eine Handbreit steigt, und senk sie im Tempo des sinkenden Köders wieder ab. Die Schnur bleibt dabei senkrecht und leicht gespannt.
- Grund antippen. Lass den Köder alle paar Sprünge kurz auf den Grund tippen. So kontrollierst du die Tiefe, denn beim Treiben ändert sie sich ständig.
- Stehen lassen. Halte den Köder zwischendurch ein paar Sekunden ruhig über dem Grund. Gerade im kalten Wasser beißen Zander nach unserer Erfahrung oft in dieser Pause.
Variiere Sprunghöhe und Tempo, bis du merkst, was die Fische wollen. An manchen Tagen fangen nur winzige Bewegungen, an anderen deutliche Sprünge wie beim Jiggen aus der Rute. Ein Biss zeigt sich als leichter Ruck, als plötzlich schwereres Gefühl oder daran, dass der Köder beim Absinken früher stoppt. Setz dann sofort einen kurzen, entschlossenen Anhieb nach oben.
Das Boot über der Stelle halten
Beim Vertikalangeln entscheidet die Bootsführung genauso viel wie die Rute. Ziel ist, dass die Schnur senkrecht steht und der Köder langsam über die Kante oder die Struktur wandert. Bewährt haben sich drei Wege:
- Treiben mit Wind oder Strömung: Du fährst oberhalb der Stelle an und lässt das Boot darüber treiben. Treibt es zu schnell, bremst ein Treibanker. Im Fluss treibst du mit der Strömung, sodass Boot und Köder gleich schnell sind.
- Mit dem Motor gegenhalten: Ein leiser Motor gleicht Wind und Strömung aus und hält das Boot auf der Linie. Das erfordert Übung, erlaubt aber sehr genaues Fischen.
- Vor Anker: Über einer bekannten, kleinen Stelle kannst du auch ankern. Dann fischst du aber nur eine Stelle ab.
Ein Echolot zeigt Tiefe, Kanten und oft auch die Fische. Ob Boote, Motoren und Echolote an deinem Gewässer erlaubt sind, ist sehr unterschiedlich geregelt. Das steht in deiner Angelkarte oder Gewässerordnung.
Die richtigen Stellen finden
Beim Vertikalangeln fischst du gezielt, nicht auf gut Glück. Bewährt haben sich Stellen, an denen sich die Tiefe ändert oder der Grund anders wird: Kanten, an denen flaches Wasser in tiefes übergeht, Löcher und Rinnen, Steinfelder, versunkene Bäume, Brückenpfeiler und im Fluss die tiefen Bereiche vor und hinter Buhnenköpfen. Zander stehen nach unserer Erfahrung gern am Fuß solcher Kanten, Barsche eher an der Oberkante und an Hindernissen.
Fahre eine Kante zuerst ein- oder zweimal ab, ohne zu angeln, und merke dir Tiefe und Verlauf. Dann driftest du sie in verschiedenen Tiefen ab. Bekommst du an einer Stelle einen Biss, lohnt es sich, dieselbe Drift noch einmal zu fahren: Zander und Barsche stehen oft in kleinen Gruppen. Bleibt es an einer Kante über längere Zeit ruhig, wechselst du lieber den Platz, als stundenlang dieselbe Linie zu befischen.
Drill und Landung im Boot
Ein gehakter Fisch kommt beim Vertikalangeln direkt von unten. Halte die Rute hoch und die Schnur gespannt, damit der Haken nicht ausschlitzt. Die Bremse stellst du so ein, dass sie bei einer kräftigen Flucht Schnur freigibt. Kurz vor dem Boot flüchten viele Fische noch einmal – dann lässt du sie ziehen, statt dagegenzuhalten. Einen Zander oder Hecht landest du am besten mit einem großen, gummierten Kescher, den du unter den Fisch führst. Willst du den Fisch zurücksetzen, löst du den Haken möglichst noch im Wasser oder im Kescher und hältst ihn nur kurz aus dem Wasser.
Das richtige Gerät
| Teil | Richtwert | Worauf es ankommt |
|---|---|---|
| Rute | kurze, straffe Rute, ca. 1,80–2,10 m | kurze Hebel für feine Sprünge, straffe Spitze für den Grundkontakt |
| Rolle | kleine bis mittlere Stationärrolle | leicht, fein einstellbare Bremse |
| Hauptschnur | dünn geflochten | kaum Dehnung, wenig Strömungsdruck |
| Vorfach | Fluorocarbon ca. 1–2 m; bei Hecht Stahl oder Titan | abriebfest und unauffällig |
| Jigkopf | ca. 10–25 g in Seen, im Fluss mehr | Schnur muss senkrecht stehen, Grund deutlich spürbar |
| Gummifisch | Zander ca. 7–12 cm, Barsch ca. 5–8 cm | schlank, spielt bei kleinen Bewegungen |
| Zubehör | Echolot, Treibanker, Kescher, Hakenlöser, Maßband | nur wo erlaubt; Fisch schonend landen |
Richtwerte nach redaktioneller Einschätzung – Gewässer, Tiefe, Strömung und Zielfisch verschieben die Wahl.
Eine kurze Rute hat beim Vertikalangeln einen einfachen Grund: Du fischst direkt neben dem Boot, da stört jeder Zentimeter zu viel. Die Spitze muss straff sein, damit der Grundkontakt ankommt, aber nicht bretthart, sonst schlitzen Zander im Drill aus. Die Werte in der Tabelle sind Richtwerte aus der Praxis.
Varianten
Drop-Shot vom Boot
Beim Drop-Shot liegt das Blei am Grund und der Köder hängt darüber an einem Seitenhaken. Vertikal vom Boot gefischt, bleibt der Köder fast auf der Stelle stehen und bewegt sich kaum. Das ist die feinste Art, sehr träge Fische zu überlisten. Aufbau und Führung beschreibt die Seite Drop-Shot.
Faulenzen in die Drift
Treibt das Boot etwas schneller, kannst du den Köder schräg hinter dem Boot mit kurzen Sprüngen führen, halb vertikal, halb gefaulenzt. Das deckt mehr Fläche ab, du verlierst aber etwas vom direkten Kontakt.
Vertikal im Meer
Im Meer ist das Prinzip dasselbe, nur mit schweren Bleiköpfen und großen Gummifischen auf Dorsch und Seelachs. Die klassische senkrechte Methode im Meer ist das Pilken.
Häufige Fehler vermeiden
- Schnur läuft schräg: Dann fischst du nicht mehr vertikal und verlierst den Grundkontakt. Schwereren Kopf nehmen oder die Drift bremsen.
- Zu große Sprünge: Im kalten Wasser reichen oft kleinste Bewegungen. Weniger ist hier mehr.
- Grund nicht kontrolliert: Beim Treiben ändert sich die Tiefe. Regelmäßig auf den Grund tippen.
- Lose Schnur beim Absinken: Wer die Rute schneller absenkt, als der Köder sinkt, bemerkt die Bisse nicht.
- Zu harter Drill: Eine bretthart eingestellte Bremse und ruckartiges Pumpen lassen den Haken leicht ausschlitzen. Die Bremse fein einstellen und gleichmäßig drillen.
- Zu viel Lärm im Boot: Poltern und Scharren übertragen sich ins Wasser. Ruhig bleiben, gerade im flacheren Wasser.
Regeln beim Vertikalangeln
Das Vertikalangeln berührt mehrere Regeln, die je nach Land und Gewässer unterschiedlich sind. Dazu gehören das Angeln vom Boot überhaupt, der Einsatz von Motoren und Echoloten, Kunstköderverbote während der Schonzeiten von Zander und Hecht, Mehrfachhaken wie Angstdrillinge und die Zahl der Anbissstellen, etwa bei senkrechten Montagen mit mehreren Seitenarmen. Was bei dir gilt, findest du unter Angelregeln, auf den Schonzeitseiten wie Zander: Schonzeit und Mindestmaß und Hecht: Schonzeit und Mindestmaß sowie in deiner Angelkarte.
Fische, die aus großer Tiefe heraufgeholt werden, können durch den Druckunterschied Schaden nehmen. Wer viele untermaßige Fische fängt, wechselt nach unserer Erfahrung besser Platz oder Ködergröße.
Passende Zielfische und Montagen
- Zander – Gummifisch am Jigkopf und Drop-Shot an tiefen Kanten
- Barsch – kleine Gummifische, leichte Köpfe, feine Sprünge
- Hecht – größere Gummifische, immer mit Stahl- oder Titanvorfach
- Wels – eigene Vertikalmontage mit Köderfisch und Klopfen
- Saibling – Vertikalmontage auf tiefen Seen
Wer vom Ufer auf dieselben Fische angelt, findet unter Jiggen und Faulenzen und Drop-Shot die passenden Methoden. Alle Methoden im Überblick stehen unter Methoden.
Häufige Fragen
Was ist Vertikalangeln?
Beim Vertikalangeln hängt der Köder senkrecht unter dem Boot. Du lässt ihn zum Grund sinken, hebst ihn mit kleinen Rutenbewegungen knapp darüber an und lässt ihn wieder absinken. Die senkrechte Schnur überträgt jeden Kontakt.
Wie schwer muss der Jigkopf beim Vertikalangeln sein?
So schwer, dass die Schnur bei deiner Drift senkrecht steht und du den Grund deutlich spürst. Als grober Richtwert reichen in Seen oft 10 bis 25 g, in der Strömung großer Flüsse brauchst du mehr.
Welche Rute zum Vertikalangeln?
Eine kurze, straffe Rute von etwa 1,80 bis 2,10 m als Richtwert. Sie erlaubt feine Sprünge direkt neben dem Boot und überträgt den Grundkontakt.
Wie hoch über Grund führe ich den Köder?
Als Richtwert etwa 10 bis 30 cm. In dieser Zone stehen viele Zander. Lass den Köder regelmäßig auf den Grund tippen, um die Tiefe zu kontrollieren.
Darf ich überall vom Boot aus angeln?
Nein. Ob Boote, Motoren und Echolote erlaubt sind, regeln Land und Gewässerordnung sehr unterschiedlich. Prüf das in deiner Angelkarte, bevor du losfährst.
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