Wissen · Winter
Eisangeln: Sicherheit, Regeln und Fische unter dem Eis
Von der Redaktion anglerkompass · Stand: September 2026 · 4 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
Eis auf Seen betrittst du laut DLRG erst ab 15 Zentimetern Dicke, auf Fließgewässern ab 20 Zentimetern, und nie allein. Vorsicht an Zu- und Abflüssen, dunklen Stellen und bewachsenen Ufern. Ob du auf einem Gewässer vom Eis angeln darfst, regeln Landesrecht und Gewässerordnung. Knistert das Eis, verlässt du es sofort.
Ab wann trägt das Eis?
Die wichtigste Frage beim Eisangeln stellt sich, bevor du den ersten Schritt machst. Die DLRG hat dazu zehn Eisregeln aufgestellt. Die Mindestdicke ist dort klar benannt: „Betritt einen See erst, wenn das Eis 15 Zentimeter dick ist. Ein fließendes Gewässer erst, wenn das Eis 20 Zentimeter dick ist.“ Auf Fließgewässern ist die Grenze höher, weil die Strömung das Eis von unten angreift und es ungleichmäßig dick wird.
Genauso wichtig ist der Zeitpunkt. Die erste DLRG-Regel lautet: „Gehe nicht gleich an den ersten Tagen aufs Eis!“ Informiere dich vorher, ob das Eis trägt, und achte auf Warnungen und Sperrungen. Manche Städte und Gemeinden geben Eisflächen ausdrücklich frei oder sperren sie; solche Hinweise gehen deiner eigenen Messung vor. Messen kannst du die Dicke nur an einem Bohrloch. Nach unserer Einschätzung bohrst du das erste Loch deshalb gleich am Ufer und wiederholst die Messung, wenn du dich weiter hinausbewegst.
- Freigabe prüfen
Sperrungen und Warnungen der Gemeinde beachten, Gewässerordnung zum Eisangeln lesen.
- Nicht allein
Mit mindestens einer Begleitperson gehen und jemandem an Land sagen, wo ihr seid.
- Eisdicke messen
Mindestens 15 cm auf Seen, 20 cm auf Fließgewässern; unterwegs erneut messen.
- Gefahrenstellen meiden
Zu- und Abflüsse, dunkle Stellen, verschneite Flächen und bewachsene Ufer auslassen.
- Rückweg festlegen
Auf dem gleichen Weg zurück, auf dem du gekommen bist; Rettungsmittel griffbereit.
Nach den Eisregeln der DLRG und Hinweisen des DLRG-Landesverbands Hamburg; Reihenfolge redaktionell
Wo ist das Eis gefährlich dünn?
Eis wächst nicht überall gleich schnell. Der DLRG-Landesverband Hamburg nennt die typischen Gefahrenstellen:
- Zu- und Abflüsse: „An Ein- oder Ausflüssen kann sich innerhalb weniger Meter die Eisdicke und -qualität plötzlich ändern.“ Auch Einleitungen, Quellen und Bereiche mit Strömung frieren schlechter zu.
- Dunkle Stellen: „Dunkle Stellen verraten, dass das Eis noch viel zu dünn ist.“
- Schnee und Bewuchs: Vorsicht gilt laut DLRG Hamburg „bei verschneiten Eisflächen und an bewachsenen Uferzonen“, weil die Eisdicke dort schwer einzuschätzen ist. Schnee verdeckt zudem dunkle Stellen.
Für Angler kommen zwei Punkte hinzu. Genau die Stellen, die fischreich sind – Schilfkanten, Einläufe, Stege und Strömungskanten –, sind oft die mit dem schwächsten Eis. Und Eislöcher früherer Angler frieren nur dünn wieder zu und sind unter Schnee kaum zu sehen. Nach unserer Einschätzung bohrst du deshalb nicht direkt neben alten Löchern und hältst Abstand zu anderen Gruppen.
Was tust du, wenn das Eis knackt oder jemand einbricht?
Die DLRG ist hier eindeutig: „Verlasse das Eis sofort, wenn es knistert und knackt!“ Drohst du einzubrechen, legst du dich flach aufs Eis und bewegst dich vorsichtig auf dem gleichen Weg zurück zum Ufer. Flach liegend verteilst du dein Gewicht auf eine größere Fläche.
Bricht jemand ein, gilt nach den DLRG-Eisregeln (Beispiele und Begründungen von uns ergänzt):
- Notruf: Um Hilfe rufen und sofort die 112 wählen.
- Vom Ufer helfen: Dem Eingebrochenen vom Ufer aus einen Gegenstand reichen, statt selbst auf das Eis zu laufen. Geeignet ist nach unserer Einschätzung alles, was lang genug ist und hält, etwa ein Ast, eine Leiter oder ein Seil.
- Nicht selbst in Gefahr bringen: Deshalb die Hilfe vom Ufer aus: Wer ohne Sicherung zur Einbruchstelle geht, kann selbst einbrechen.
- Aufwärmen: Gerettete langsam mit Decken, trockener Kleidung und warmen Getränken wärmen.
Kaltes Wasser ist tückisch, weil der Kälteschock die Atmung durcheinanderbringt. Was der Seenotarzt der DGzRS dazu beschreibt und welche Rettungsweste zu welchem Einsatz passt, steht auf unserer Seite Sicherheit am Wasser.
Darf ich in Deutschland vom Eis angeln?
Eine bundesweite Regel gibt es nicht. Ob Eisangeln an einem Gewässer erlaubt ist, ergibt sich aus dem Fischereirecht deines Bundeslandes und vor allem aus der Gewässerordnung des Fischereiberechtigten, also des Vereins oder Pächters, der die Angelkarte ausgibt. Manche Gewässerordnungen erlauben das Angeln vom Eis, andere verbieten es, und kommunale Sperrungen des Eises gelten zusätzlich. Frag im Zweifel beim Ausgeber deiner Angelkarte nach.
Unabhängig vom Eis gelten die üblichen Regeln: Fischereischein, soweit dein Land ihn verlangt, gültige Angelkarte, Schonzeiten und Mindestmaße. Gerade im Winter ist das wichtig, denn beim Hecht beginnt die Schonzeit in den meisten Bundesländern schon im Februar. Den Stand für deine Art und dein Land prüfst du im Schonzeit-Checker, alle Landesregeln stehen unter Regeln. Maßige Fische, die du behältst, werden auch auf dem Eis sofort waidgerecht getötet, wie unter Fisch töten beschrieben.
Welche Fische fängst du unter dem Eis?
Unter dem Eis leben die Fische weiter, fressen aber weniger, weil ihr Stoffwechsel mit der Temperatur sinkt. In unserem Saisonkalender stehen im Januar Barsch, Zander, Rotauge, Brasse und Döbel bei „mäßig“, der Hecht bei „gut“. Karpfen, Schleie, Wels und Aal sind im Winter praktisch kein Ziel.
- Barsch: Nach unserer Einschätzung der typische Eisangelfisch. Er steht im Winter oft in Schwärmen an tieferen Kanten.
- Rotauge: Mit kleinen Ködern wie Maden und feiner Montage fängst du es auch im Winter; die Schwärme stehen dann nach unserer Erfahrung meist tiefer.
- Hecht und Zander: Möglich, aber immer mit Blick auf Schonzeit und Mindestmaß. Welche Tiefen und Plätze im Winter zählen, steht unter Hecht-Standplätze und Zander-Standplätze.
Warum die Wassertemperatur unter dem Eis so viel ausmacht und wo sich das wärmste Wasser sammelt, erklärt die Seite Gewässerkunde.
Welche Ausrüstung brauchst du zum Eisangeln?
Die folgende Liste ist eine redaktionelle Zusammenstellung aus der Angelpraxis, keine Vorgabe:
- Eisbohrer: Ein Handbohrer macht saubere, runde Löcher. Löcher nicht größer als nötig bohren.
- Kurze Eisrute: Kurze Ruten mit feiner Spitze, dazu kleine Pilker, Zocker oder Eisangel-Jigs für Barsch, feine Posenmontagen für Rotaugen.
- Sicherheitsausrüstung: Eispickel oder Eiskrallen um den Hals, mit denen du dich nach einem Einbruch auf das Eis ziehen kannst, eine Wurfleine und ein wasserdicht verpacktes Handy. Viele Eisangler tragen zusätzlich eine Rettungs- oder Schwimmweste.
- Kleidung: Mehrere Schichten, wasserdichte Stiefel mit Profil oder Spikes, eine Sitzunterlage. Mehr zu Kleidung am Wasser unter Polbrille und Kleidung.
Vor dem Gehen verschließt du die Löcher nicht mit Schnee, sondern markierst sie nach Möglichkeit, zum Beispiel mit einem Ast. So bleiben sie für andere sichtbar.
Häufige Fragen
Wie dick muss Eis zum Eisangeln sein?
Laut DLRG mindestens 15 Zentimeter auf Seen und 20 Zentimeter auf Fließgewässern. Die Dicke misst du am ersten Loch und unterwegs erneut.
Ist Eisangeln in Deutschland erlaubt?
Das ist nicht einheitlich geregelt. Maßgeblich sind das Fischereirecht des Landes und die Gewässerordnung deiner Angelkarte; dazu kommen kommunale Sperrungen des Eises. Frag im Zweifel beim Ausgeber der Karte nach.
Wo ist das Eis besonders dünn?
An Zu- und Abflüssen, an dunklen Stellen, unter Schnee und an bewachsenen Ufern, so die DLRG. Auch alte, wieder zugefrorene Eislöcher sind gefährlich.
Was mache ich, wenn jemand ins Eis einbricht?
Um Hilfe rufen, sofort die 112 wählen und vom Ufer aus einen Gegenstand wie Ast, Leiter oder Seil reichen, statt selbst aufs Eis zu laufen. Gerettete langsam mit Decken, trockener Kleidung und warmen Getränken wärmen.
Welche Fische beißen beim Eisangeln?
Vor allem Barsch und Rotauge, dazu Hecht und Zander, sofern keine Schonzeit gilt. Karpfen, Schleie, Wels und Aal fressen im Winter kaum.
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