Wissen · Wetter
Angeln bei Regen und Hochwasser: Trübung, Strömung, Sicherheit
Von der Redaktion anglerkompass · Stand: September 2026 · 5 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
Leichter Regen und leicht angetrübtes Wasser können beim Angeln helfen, weil Fische weniger scheu sind und lichtempfindliche Räuber länger jagen. Bei Hochwasser sind Strömung, Treibgut und unterspülte Ufer dagegen gefährlich: Das BBK rät, Uferbereiche zu meiden. Angle erst wieder, wenn das Wasser sinkt, und dann in strömungsberuhigten Bereichen.
Beißen Fische bei Regen besser?
Unter Anglern gilt leichter Regen als gutes Angelwetter. Belastbare Studien, die den Regen selbst als Beißauslöser messen, haben wir nicht gefunden. Erklären lässt sich die Erfahrung aber über das, was Regen verändert: Tropfen auf der Oberfläche und bedeckter Himmel dämpfen das Licht, der Angler am Ufer ist schlechter zu sehen, und Regen kann Insekten, Würmer und andere Nahrung ins Wasser spülen. Licht ist für viele Fische ein Taktgeber der Nahrungssuche – mehr dazu auf der Seite Tageszeit und Licht.
Anders sieht es bei starkem oder lang anhaltendem Regen aus. Dann steigen Pegel und Trübung in Flüssen und Bächen, Regenüberläufe spülen Abwasser ein, und die Bedingungen ändern sich so stark, dass die Fische ihre Plätze wechseln. Nach unserer Einschätzung ist nicht der Regen entscheidend, sondern wie stark sich Wasserstand, Strömung und Wasserfarbe dadurch verändern.
Wie verändert trübes Wasser das Verhalten der Fische?
Trübung verringert die Sichtweite unter Wasser. Für Fische, die ihre Beute mit den Augen jagen, verändert das die Nahrungssuche: Stoner (2004) zählt in seiner Übersichtsarbeit das Licht zu den Umweltfaktoren, die das Fressverhalten und die Fängigkeit am stärksten beeinflussen dürften, und Trübung verringert das verfügbare Licht unter Wasser. Die Arten reagieren verschieden:
- Zander: Er ist an trübes Wasser angepasst und gedeiht besonders in Gewässern mit geringer Sichttiefe, wie die Landesforschungsanstalt Mecklenburg-Vorpommern beschreibt. Leicht angetrübtes Wasser verlängert nach Anglererfahrung seine Jagdphase.
- Hecht: Trübung an sich begrenzt Hechtbestände nicht, so die DAFV-Broschüre zum Fisch des Jahres 2016 – in trüben Bodden gibt es gute Bestände. Als Augenjäger braucht er aber eine gewisse Sicht; bei stark verschlammtem Wasser fängt er nach unserer Erfahrung schlechter.
- Friedfische und Aal: Arten, die ihre Nahrung über Geruch und Geschmack finden, sind weniger auf Sicht angewiesen. Welse sind überwiegend nachtaktiv, jagen bei trübem Wasser laut Nationalpark Donau-Auen aber auch tagsüber.
Für die Köderwahl hat sich eine einfache Faustregel bewährt: In trübem Wasser kontrastreiche, auffällige Farben und Köder mit viel Druckwelle, dazu Naturköder mit starkem Geruch; in klarem Wasser natürliche Dekore. Welcher Köder zu Trübung und Jahreszeit passt, zeigt der Köder-Finder.
Was passiert im Fluss bei steigendem Wasser?
| Phase | Was sich im Wasser ändert | Was das fürs Angeln heißt |
|---|---|---|
| Wasser steigt leicht, wird trüb | Nahrung wird eingespült, Licht nimmt ab | Oft gute Phase, vor allem für Zander, Aal und Döbel; Strömungskanten und Uferzonen befischen |
| Hochwasser, starke Strömung | Treibgut, schlammiges Wasser, Fische suchen strömungsarme Rückzugsräume | Nicht angeln: Uferbereiche meiden, Warnungen und Absperrungen beachten |
| Wasser fällt wieder | Strömung lässt nach, Wasser klart langsam auf | Nach unserer Erfahrung gute Phase: Buhnenfelder, Häfen, Einmündungen und Altarme |
| Normalwasser | Fische kehren auf ihre üblichen Plätze zurück | Gewohnte Standplätze der Zielart |
Redaktionelle Einschätzung aus der Angelpraxis; die Sicherheitshinweise stammen vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).
Belegt ist ein Zusammenhang zwischen Abfluss und Wanderung beim Aal: Blankaale, die im Herbst ins Meer abwandern, werden mit steigendem Abfluss durch Regen, Hochwasser oder Wehröffnungen und mit wenig Licht in Verbindung gebracht (Bruijs & Durif 2009). Das gilt aber für wandernde Blankaale, die kein Angelziel sind – für die fressenden Gelbaale ist das berühmte „Aalwetter“ nicht belegt. Mehr dazu unter Aal-Beißzeiten.
Hochwasser kann das Wasser auch belasten. Der NLWKN nennt aufgewirbelte Sedimente bei Hochwasser und Abwasser aus Regenüberläufen als Ursachen für Sauerstoffmangel in Gewässern. Wie Sauerstoff und Temperatur zusammenhängen, erklärt die Seite Gewässerkunde.
Wo stehen Fische bei Hochwasser?
Fische kämpfen nicht dauerhaft gegen starke Strömung an. Sie ziehen sich dorthin zurück, wo das Wasser ruhiger ist: in Buhnenfelder, Hafenbecken, Seitenarme, Altwässer, überflutete Uferbereiche und hinter Hindernisse. Das ist Anglererfahrung und passt zu dem, was über strömungsberuhigte Bereiche als Rückzugsräume bekannt ist. Für dich heißt das: Wenn das Wasser zu sinken beginnt und das Ufer wieder sicher erreichbar ist, lohnen sich genau diese Stellen. Überflutete Wiesen und Wege betrittst du nicht – was darunter liegt, siehst du nicht.
Wie sich Zander, Barbe oder Döbel in Flüssen verteilen, findest du auf den Standplatz-Seiten der Arten, zum Beispiel unter Zander-Standplätze und Barbe-Standplätze.
Wie verhältst du dich bei Hochwasser sicher?
Hochwasser ist kein Angelwetter. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe rät: „Betreten Sie keine Uferbereiche wegen der Gefahr von Unterspülungen oder Abbrüchen.“ Durch überflutete oder teilweise überflutete Straßen fährst du laut BBK nicht, und mit Booten soll man wegen Wellenbildung und Unterwasserhindernissen nicht unnötig durch überflutete Gebiete fahren. Anweisungen und Absperrungen der Einsatzkräfte gehen immer vor.
Auch ohne Hochwasserwarnung bleibt fließendes Wasser gefährlich. Die DLRG betont, dass Flüsse durch ihre Strömung „immer ein erhöhtes Gefahrenpotential“ bergen und dass ein ruhiger Fluss sich binnen weniger Meter in reißendes Wasser verwandeln kann. Vor Buhnen entsteht durch den Staudruck eine starke Strömung, unterhalb von Wehren können Walzen entstehen, aus denen selbst geübte Schwimmer kaum herauskommen.
- Pegel prüfen: Aktuelle Wasserstände und amtliche Hochwasserwarnungen aller Bundesländer bündelt das Länderübergreifende Hochwasserportal (LHP) unter hochwasserzentralen.de.
- Abstand halten: Bei steigendem Wasser nicht auf Buhnen, Steinschüttungen oder unterspülte Kanten stellen.
- Nicht allein: Sag jemandem, wo du angelst, und nimm ein geladenes Handy mit.
- Rettungsweste: Wer vom Boot oder an steilen Ufern angelt, trägt eine Weste. Welche passt, steht unter Sicherheit am Wasser.
- Gewitter: Starkregen kommt oft mit Gewitter. Dann verlässt du Wasser und Ufer sofort – auch das steht auf der Sicherheitsseite.
Darf ich bei Hochwasser überhaupt angeln?
Ob und wo du bei Hochwasser angeln darfst, ergibt sich aus Landesrecht, Gewässerordnung und den Vorgaben des Fischereiberechtigten – eine einheitliche Regel für ganz Deutschland gibt es nicht. Anweisungen und Absperrungen der Einsatzkräfte beachtest du auch als Angler, darauf weist das BBK ausdrücklich hin. Ob deine Angelkarte auch für überflutete Flächen neben dem eigentlichen Gewässer gilt, ist nicht selbstverständlich; im Zweifel fragst du beim Ausgeber der Karte nach. Die Regeln deines Landes findest du unter Regeln.
Häufige Fragen
Beißen Fische bei Regen besser?
Oft bei leichtem Regen, weil gedämpftes Licht und eine unruhige Oberfläche die Fische weniger scheu machen und Nahrung eingespült wird. Belegt ist das nicht direkt. Starker Regen mit steigenden Pegeln ändert die Bedingungen so stark, dass Fische ihre Plätze wechseln.
Kann man bei Hochwasser angeln?
Davon raten wir ab. Das BBK empfiehlt, bei Hochwasser keine Uferbereiche zu betreten, weil sie unterspült sein und abbrechen können. Angle erst wieder, wenn das Wasser fällt und das Ufer sicher ist.
Wo stehen Fische bei Hochwasser?
In strömungsberuhigten Bereichen: Buhnenfelder, Häfen, Seitenarme, Altwässer und hinter Hindernissen. Wenn das Wasser sinkt, sind diese Stellen nach unserer Erfahrung besonders aussichtsreich.
Welcher Köder bei trübem Wasser?
Als Faustregel kontrastreiche Farben und Köder mit viel Druckwelle, dazu Naturköder mit starkem Geruch. In klarem Wasser eher natürliche Dekore.
Wo sehe ich aktuelle Pegelstände?
Im Länderübergreifenden Hochwasserportal (LHP) der Bundesländer unter hochwasserzentralen.de. Dort stehen Pegel und amtliche Hochwasserwarnungen aller Länder.
Schonzeiten immer im Blick – in der App: jetzt kostenlos sichern ↑