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Wels · Beißzeiten

Wels-Beißzeiten: Wann Welse fressen

Von der Redaktion anglerkompass · Stand: September 2026 · 4 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Welse beißen am besten von Frühjahr bis Spätsommer und vor allem nachts, meist ab etwa einer Stunde nach der Abenddämmerung bis kurz vor der Morgendämmerung. Von November bis März fressen sie praktisch nicht, ab September lässt die Fresslust deutlich nach. Eine Schonzeit gilt nur in Mecklenburg-Vorpommern.

NachtHauptfresszeit
Nov–Märzpraktisch keine Nahrungsaufnahme
25–27 °Cphysiologisches Optimum
1.5.–30.6.Schonzeit in Mecklenburg-Vorpommern

Die kurze Antwort

Die beste Zeit für Welse ist die warme Jahreszeit, und dort die Nacht. Der Wels zeigt eine starke nächtliche Fressaktivität: Die Nahrungsaufnahme beginnt meist etwa eine Stunde nach der Abenddämmerung und dauert bis kurz vor der Morgendämmerung. Im Winter frisst er praktisch nicht. Ganz so einfach ist es aber nicht – die Aktivität ändert sich mit der Jahreszeit und unterscheidet sich stark von Fisch zu Fisch. Die folgenden Abschnitte trennen, was belegt ist und was Anglererfahrung ist.

Schonzeiten und Mindestmaße

Nur wenige Länder regeln den Wels überhaupt. Eine Schonzeit gilt nur in Mecklenburg-Vorpommern, vom 1. Mai bis 30. Juni (§ 5 Nr. 14 BiFVO M-V). Die Tabelle zeigt die Länder mit geprüfter Regel:

Wann der Wels geschont ist
BundeslandJanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDezZeitraum
Mecklenburg-VorpommernJan: keine SchonzeitFeb: keine SchonzeitMär: keine SchonzeitApr: keine SchonzeitMai: SSchonzeitJun: SSchonzeitJul: keine SchonzeitAug: keine SchonzeitSep: keine SchonzeitOkt: keine SchonzeitNov: keine SchonzeitDez: keine Schonzeit1. Mai – 30. Juni
BerlinJan: keine SchonzeitFeb: keine SchonzeitMär: keine SchonzeitApr: keine SchonzeitMai: keine SchonzeitJun: keine SchonzeitJul: keine SchonzeitAug: keine SchonzeitSep: keine SchonzeitOkt: keine SchonzeitNov: keine SchonzeitDez: keine Schonzeitkeine Schonzeit
NiedersachsenJan: keine SchonzeitFeb: keine SchonzeitMär: keine SchonzeitApr: keine SchonzeitMai: keine SchonzeitJun: keine SchonzeitJul: keine SchonzeitAug: keine SchonzeitSep: keine SchonzeitOkt: keine SchonzeitNov: keine SchonzeitDez: keine Schonzeitkeine Schonzeit
ThüringenJan: keine SchonzeitFeb: keine SchonzeitMär: keine SchonzeitApr: keine SchonzeitMai: keine SchonzeitJun: keine SchonzeitJul: keine SchonzeitAug: keine SchonzeitSep: keine SchonzeitOkt: keine SchonzeitNov: keine SchonzeitDez: keine Schonzeitkeine Schonzeit
Schleswig-HolsteinJan: keine SchonzeitFeb: keine SchonzeitMär: keine SchonzeitApr: keine SchonzeitMai: keine SchonzeitJun: keine SchonzeitJul: keine SchonzeitAug: keine SchonzeitSep: keine SchonzeitOkt: keine SchonzeitNov: keine SchonzeitDez: keine Schonzeitkeine Schonzeit

S Schonzeit den ganzen Monat · ½ Schonzeit in einem Teil des Monats · leer: keine Schonzeit

Quelle: Landesverordnung Mecklenburg-Vorpommern, Landesverordnung Berlin, Landesverordnung Niedersachsen, Landesverordnung Thüringen, Landesverordnung Schleswig-Holstein. Nur geprüfte Regeln.

Mindestmaße: Berlin 75 cm, Mecklenburg-Vorpommern 70 cm, Niedersachsen und Thüringen 50 cm, Schleswig-Holstein 70 cm in den Küstengewässern. In Brandenburg, Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und mehreren anderen Ländern hat der Wels weder Schonzeit noch Mindestmaß. Vereine können eigene Regeln festlegen. Die Regeln je Land findest du unter Angelregeln.

Der Wels im Jahresverlauf

Jahreszeit Was belegt ist Was das fürs Angeln heißt
Winter Winterruhe in tiefen Löchern, Höhlen und Spalten oder auf weichem Schlamm. Frisst von November bis März praktisch nicht, unter 10 °C keine Verdauung. Keine Welszeit.
Frühjahr Nahrungsaufnahme am intensivsten. Wanderung zu den Laichplätzen Ende März bis April bei 8 bis 10 °C. Gute Zeit, sobald das Wasser sich erwärmt. Schonzeit in Mecklenburg-Vorpommern ab 1. Mai.
Laichzeit Laichen ab mindestens 18 bis 22 °C, im Süden des Verbreitungsgebiets Mitte Mai bis Mitte Juni, im Norden Juli bis August. Das Männchen bewacht das Nest. Laichende Welse und Nester in Ruhe lassen.
Sommer Nach dem Laichen Rückzug in tieferes Wasser. In einem tschechischen Fluss im Sommer rund um die Uhr aktiv. Im Wolga-Delta Fressmaximum im August. Hauptsaison. Auch tagsüber sind Bisse möglich.
Herbst Fressintensität sinkt ab September deutlich und stoppt unter 7 bis 12 °C. Höchste Bewegung in der Dämmerung. Die Saison läuft aus. Dämmerung gezielt nutzen.

Quellen: Copp et al. 2009 (Literaturauswertung), Cucherousset et al. 2018, Nationalpark Donau-Auen. Einzelne Befunde stammen aus Tschechien und Russland und lassen sich nicht direkt auf jedes deutsche Gewässer übertragen.

8–10 °CWanderung zu den Laichplätzen
18–22 °CLaichbeginn
25–27 °Cphysiologisches Optimum
7–12 °Cim Herbst endet die Nahrungsaufnahme

Die Werte stammen aus einer Literaturauswertung und beziehen sich auf das gesamte Verbreitungsgebiet. Für die Winterruhe nennt der Nationalpark Donau-Auen Wassertemperaturen unter 4 bis 7 °C. Die FishBase-Spanne von 4 bis 20 °C ist als Vorzugstemperatur für Deutschland irreführend, denn der Wels laicht erst ab 18 bis 22 °C und hat sein Optimum bei 25 bis 27 °C. Ein Wasserthermometer und eigene Aufzeichnungen zeigen dir, wie die Welse in deinem Gewässer reagieren.

Die beste Tageszeit

Allgemein gilt der Wels als nachtaktiv. Die Aktivitätsspitze liegt nachts, gesteuert vom Hunger und den Wegen der Beute. Eine Telemetriestudie in einem tschechischen Fluss zeigte aber deutliche Unterschiede je Jahreszeit:

  • Frühjahr und Winter: geringe Aktivität mit Spitzen am Tag.
  • Sommer: rund um die Uhr aktiv.
  • Herbst: maximale Bewegung in der Dämmerung.

Dazu kommen große individuelle Unterschiede: Manche Welse zeigen kaum ein Tag-Nacht-Muster. Im Labor waren einzeln gehaltene Welse ohne festes Muster, in Gruppen überwiegend nachtaktiv. Bei trübem Wasser jagen Welse auch tagsüber. Für die Praxis heißt das: Die Nacht ist die sicherste Zeit, im Sommer und bei trübem Wasser lohnt sich aber auch der Tag. Nachtangeln ist nicht überall erlaubt – im Saarland ist das Fischen bei Nacht grundsätzlich verboten, in geschlossenen Gewässern erst ab 5 ha; der Fischereiverband Saar kann Ausnahmen zulassen (§ 10 LFO).

Beißzeiten nach Gewässertyp

Das Verhalten des Welses hängt stark vom Gewässer ab. Aus den Studien lassen sich einige Unterschiede ableiten:

  • Talsperren und tiefe Seen: In der Talsperre Římov (Tschechien) nutzten Welse in der warmen Jahreszeit die obere Wasserschicht und den Zufluss, in der kalten Jahreszeit tiefere Bereiche nahe der Staumauer. Aktivitätsspitzen gab es in beiden Jahreszeiten.
  • Flüsse: In einem tschechischen Fluss waren Welse im Sommer rund um die Uhr aktiv. Nach dem Laichen wandern sie flussabwärts und in tieferes Wasser.
  • Gewässer mit Warmwassereinleitung: Welse profitieren in Flüssen mit Warmwassereinleitungen. Dass die Saison dort länger dauert, ist eine naheliegende Ableitung, aber keine gemessene Beißzeit.

Warum im Frühjahr so viel geht

Nach der Winterruhe ist die Nahrungsaufnahme des Welses am intensivsten. Gleichzeitig wandern die Fische zu den Laichplätzen und bilden dabei schon Paare. Für den Angler ist das eine gute, aber sensible Zeit: In Mecklenburg-Vorpommern beginnt am 1. Mai die Schonzeit, und überall solltest du Laichplätze und Nester in Ruhe lassen. Die Männchen bewachen das Gelege auch tagsüber und befächeln es alle paar Minuten mit der Schwanzflosse.

So planst du deinen Welsansitz

  1. Wassertemperatur prüfen – im Herbst stoppt die Nahrungsaufnahme unter 7 bis 12 °C, im Winter frisst der Wels praktisch nicht.
  2. Schonzeit, Mindestmaß und Entnahmeregeln deines Landes prüfen, zum Beispiel mit dem Schonzeit-Checker.
  3. Den Platz bei Tageslicht erkunden und die Montagen vor der Dämmerung auslegen.
  4. Die Nacht einplanen, im Sommer und bei trübem Wasser auch den Tag.
  5. Fänge mit Uhrzeit, Wassertemperatur und Wasserstand notieren.

Wetter, Luftdruck und Mond

Für das Laichen ist ein Wetterzusammenhang beschrieben: Welse laichen meist nachts, günstig an schwülen Abenden mit plötzlichem Luftdruckabfall, oft vor Gewittern. Das betrifft die Fortpflanzung, nicht die Nahrungsaufnahme. Zum Einfluss von Wetter, Luftdruck oder Mond auf das Fressverhalten haben wir keine Fachquelle gefunden. Was du darüber liest, ist ungesicherte Anglererfahrung. Häufig genannt werden:

  • schwül-warme Nächte vor einem Gewitter,
  • steigendes, eingetrübtes Wasser im Fluss nach Regen,
  • stabile, warme Hochsommerwetterlagen.

Ein eigenes Fangbuch mit Wassertemperatur, Wasserstand und Uhrzeit sagt mehr über dein Gewässer als jede allgemeine Regel. Welche Köder wann passen, steht unter Wels-Köder, die passenden Plätze unter Wels-Standplätze.

Häufige Fragen

Wann beißen Welse am besten?

In der warmen Jahreszeit und vor allem nachts, meist ab etwa einer Stunde nach der Abenddämmerung bis kurz vor der Morgendämmerung. Im Sommer und bei trübem Wasser sind auch Bisse am Tag möglich.

Ab welcher Temperatur beißen Welse?

Im Frühjahr wandern Welse bei 8 bis 10 °C zu den Laichplätzen und fressen dann intensiv. Im Herbst stoppt die Nahrungsaufnahme unter 7 bis 12 °C, unter 10 °C findet keine Verdauung statt.

Hat der Wels eine Schonzeit?

Nur in Mecklenburg-Vorpommern, vom 1. Mai bis 30. Juni (§ 5 Nr. 14 BiFVO M-V). In den meisten Ländern gibt es keine Schonzeit, in einigen ein Mindestmaß.

Beißen Welse vor Gewittern besser?

Belegt ist nur, dass Welse gern an schwülen Abenden mit Luftdruckabfall laichen. Für das Fressverhalten ist ein Wettereinfluss nicht belegt – das ist Anglererfahrung.

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