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Wels · Köder

Wels-Köder: Was Waller wirklich fressen

Von der Redaktion anglerkompass · Stand: September 2026 · 6 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Die bewährtesten Wels-Köder sind der tote Köderfisch, das große Tauwurmbündel, Pellets und große Kunstköder. Der Wels ist ein opportunistischer Allesfresser: Er frisst vor allem die häufigste Fischart passender Größe, dazu Krebse, Frösche und Insekten. Er sucht seine Beute vor allem über Geruch, Geschmack und Gehör.

Nov–Märzfrisst praktisch nicht
Frühjahrintensivste Nahrungsaufnahme
15–25 cmKöderfisch, bewährter Richtwert
unter 10 °Ckeine Verdauung

Die Wels-Köder im Überblick

Die Matrix zeigt, welche Köder sich über das Jahr bewährt haben. Sie ist eine redaktionelle Einschätzung aus der Angelpraxis – keine Messung. Schonzeiten, Köderverbote und die Regeln deiner Angelkarte gehen immer vor.

Köder Frühjahr Sommer Herbst Winter Trübes Wasser Klares Wasser
Toter Köderfisch sehr gut sehr gut gut – sehr gut sehr gut
Tauwurmbündel gut sehr gut gut – sehr gut gut
Pellets mäßig sehr gut gut – sehr gut gut
Großer Gummifisch gut gut gut – gut gut
Tintenfisch mäßig gut gut – gut mäßig

Redaktionelle Einschätzung, Stand September 2026. Von November bis März frisst der Wels praktisch nicht.

Warum diese Köder? Was Welse fressen

Der Wels ist ein opportunistischer Allesfresser. Seine Hauptbeute ist meist die häufigste Fischart passender Größe im Gewässer. Daneben frisst er Krebse – sie tauchen in fast vier von fünf Nahrungsstudien auf –, Frösche, Insekten, junge Wasservögel und ausnahmsweise kleine Säugetiere. In Südfrankreich jagen einzelne Welse sogar gezielt Tauben am Ufer.

Eine Beobachtung ist für die Ködergröße wichtig: Die Beute wird zwar mit der Größe des Welses größer, doch Welse fressen relativ kleinere Fische als andere Raubfische und als nach ihrer Maulgröße zu erwarten wäre. Ein riesiger Köderfisch ist also nicht nötig.

Wie der Wels den Köder findet

Der Wels hat kleine Augen und sieht schlecht. Dafür hat er zwei lange Barteln am Oberkiefer, vier kurze am Unterkiefer und Geschmacksorgane auf Lippen, Barteln, Flossen und Haut. Er sucht seine Nahrung vor allem über den Geruchssinn, hat ein besonders empfindliches Gehör und nimmt elektrische Felder wahr. In völliger Dunkelheit folgt er den Wasserverwirbelungen und Duftspuren schwimmender Fische.

Daraus leiten Angler Faustregeln ab – Erfahrungswissen, keine gemessenen Regeln:

  • Geruch zählt mehr als Farbe. Frische Köderfische, Wurmbündel und Pellets geben viel Geruch ab.
  • Bewegung und Druckwelle locken. Kunstköder mit viel Aktion und Köder, die im Wasser arbeiten, sprechen den Seitenlinien- und Hörsinn an.

Die Köder im Einzelnen

Toter Köderfisch

Der tote Köderfisch ist der universelle Wels-Köder, am Grund oder an der Unterwasserpose. Bewährt hat sich ein Fisch der Art, die im Gewässer häufig ist – das passt zur Biologie. Lebende Köderfische sind in vielen Ländern verboten.

Tauwurmbündel

Ein großes Bündel aus zehn oder mehr Tauwürmern ist ein klassischer Wels-Köder, besonders im Fluss und beim Klopfen. Die Würmer bewegen sich und geben viel Geruch ab. Viele Angler ziehen jeden Wurm nur einmal quer auf den Haken, damit er lebendig wirkt und das Bündel trotzdem hält.

Pellets

Große, fischhaltige Pellets werden am Haar angeboten, ähnlich wie beim Karpfenangeln. Sie lösen sich im Wasser langsam auf und geben dabei Geruch ab, im kühlen Wasser deutlich langsamer. Sie eignen sich für den Ansitz an Stellen, an denen Welse regelmäßig vorbeiziehen, und fangen eher im warmen Wasser.

Große Kunstköder

Große Gummifische, Wobbler und schwere Spinner fängst du beim aktiven Angeln vom Ufer oder Boot. Sie arbeiten mit Druckwelle und Vibration. Achte auf die Hakenregeln: In Berlin sind künstliche Köder mit feststehenden Mehrfachhaken verboten (§ 15 LFischO). Wie du Kunstköder führst, zeigt unser Ratgeber zum Spinnfischen.

Tintenfisch

Streifen aus Tintenfisch sind zäh und halten lange am Haken. Sie werden vor allem an Gewässern mit vielen Kleinfischen genutzt, die weichere Köder schnell abfressen – Praxiswissen.

Den Köderfisch richtig anbieten

Ein Köderfisch soll möglichst natürlich wirken und lange frisch bleiben. Bewährt hat sich aus der Praxis:

  • Frische: Köderfische gekühlt aufbewahren. In Sachsen müssen sie vor dem Anködern waidgerecht getötet werden (§ 6 SächsFischVO).
  • Herkunft: In vielen Ländern müssen Köderfische aus demselben Gewässer oder Gewässersystem stammen, in Brandenburg etwa nach § 6 BbgFischO.
  • Anködern: Den Haken so setzen, dass die Spitze frei bleibt und der Köder in der Strömung nicht rotiert. An der Unterwasserpose bewegt er sich dann natürlich.
  • Wechseln: Einen ausgelaugten Köder nach einigen Stunden austauschen.

Kunstköder führen

Beim Spinnfischen auf Wels zählen Druckwelle und Geräusch mehr als die Farbe, denn der Wels sieht schlecht, hört und fühlt aber sehr gut. Bewährt sind langsame, gleichmäßige Führungen dicht über Grund oder an Strukturen entlang. Wobbler mit Rasseln oder Spinner mit großem Blatt verstärken Geräusch und Vibration. Im Sommer, wenn Welse auch tagsüber aktiv sein können, fängst du mit Kunstködern auch bei Tageslicht – vor allem bei trübem Wasser. Große Gummifische führst du ähnlich wie beim Zander, nur langsamer und mit deutlich stärkerem Gerät. Denk an die Raubfischköder-Verbote im Frühjahr, etwa in Berlin und Sachsen.

Ködergröße

Bewährte Ködergrößen für Wels
Köderfisch klein12 cm
Köderfisch Standard20 cm
Gummifisch20 cm
Gummifisch groß, große Flüsse30 cm

Redaktionelle Richtwerte aus der Angelpraxis. Welse fressen relativ kleinere Beute, als ihre Maulgröße erwarten lässt – übertrieben große Köder sind selten nötig.

Wels-Köder im Jahresverlauf

Frühjahr

Nach dem Winter ist die Nahrungsaufnahme am intensivsten. In Mitteleuropa wandern Welse Ende März bis April bei 8 bis 10 °C zu den Laichplätzen. Frische Köderfische und Wurmbündel sind jetzt die erste Wahl. In Mecklenburg-Vorpommern gilt vom 1. Mai bis 30. Juni eine Schonzeit (§ 5 Nr. 14 BiFVO M-V).

Sommer

Welse laichen erst ab mindestens 18 bis 22 °C. Nach dem Laichen ziehen sie in tieferes Wasser zurück. Das physiologische Optimum liegt bei 25 bis 27 °C – im Hochsommer fangen alle Köder, auch Pellets. In einer Untersuchung im Wolga-Delta ging die Fressintensität im Juni und Juli zurück und erreichte im August ihr Maximum.

Herbst

Ab September sinkt die Fressintensität deutlich und stoppt unter 7 bis 12 °C. Solange das Wasser noch warm ist, sind Köderfische am Grund und an der Unterwasserpose die sicherste Wahl.

Winter

Von November bis März frisst der Wels praktisch nicht, unter 10 °C findet keine Verdauung statt. Gezieltes Welsangeln lohnt sich im Winter nicht.

Vom Ufer oder vom Boot?

Vom Ufer fischst du mit Grundmontage, Pose oder Unterwasserpose. Die Unterwasserpose kannst du auch vom Ufer aus abspannen. Vom Boot kommen das Vertikalangeln und das Klopfen dazu: Mit einem Wallerholz, einem Holz mit schalenförmigem Kopf, schlägt der Angler auf die Wasseroberfläche und erzeugt ein tiefes, glucksendes Geräusch. Welse haben ein besonders empfindliches Gehör, das ist belegt. Dass das Klopfen sie anlockt, ist verbreitete Anglererfahrung, aber nicht wissenschaftlich untersucht. Ob du ein Boot nutzen und nachts angeln darfst, regelt deine Angelkarte. Die Grundlagen zu Pose und Tiefeneinstellung erklärt unsere Anleitung zum Posenangeln.

Anfüttern

Viele Welsangler füttern mit Pellets an, um Welse an eine Stelle zu gewöhnen – Praxiswissen. Weil Welse eine starke Standorttreue zeigen, kann sich das an bekannten Plätzen lohnen. Beachte die Grenzen: In Berlin sind höchstens 500 g Lockfutter je Person und Fangtag erlaubt, kein Anfüttern am Vortag (§ 18 Abs. 4 LFischO). In Bremen dürfen tote Fische und Fischteile nicht am oder im Gewässer liegen gelassen werden (§ 5 Bremische Binnenfischereiverordnung).

Was ist erlaubt?

  • Schonzeit und Mindestmaß: Nur wenige Länder regeln den Wels. Mecklenburg-Vorpommern: Schonzeit 1. Mai bis 30. Juni, Mindestmaß 70 cm. Berlin: 75 cm. Niedersachsen und Thüringen: 50 cm. Schleswig-Holstein: 70 cm in den Küstengewässern. Die Übersicht je Land findest du unter Angelregeln.
  • Lebende Köder: Lebende Köderfische sind unter anderem in Brandenburg (§ 6 BbgFischO), Bayern (§ 15 AVBayFiG), Nordrhein-Westfalen (§ 6 LFischVO), Rheinland-Pfalz (§ 29) und im Saarland (§ 10 LFO) verboten. In Hessen sind Krebse und lebende Wirbeltiere als Köder verboten (§ 14 Abs. 5 HFischV), in Baden-Württemberg Krebse nur abgekocht (§ 3 Abs. 4 LFischVO).
  • Raubfischköder im Frühjahr: Berlin vom 1. Januar bis 30. April (§ 18 Abs. 3 LFischO), Sachsen vom 1. Februar bis 30. April (§ 4 Abs. 5 SächsFischVO).
  • Entnahme in Hessen: Aus Fließgewässern müssen Arten, die nicht in § 1, § 2 Abs. 1 oder § 12 Abs. 1 HFischV genannt sind, nach dem Fang entnommen werden (§ 14 Abs. 2). Der Wels hat in § 2 Abs. 1 weder Schonzeit noch Entnahmemaß; nach unserer Lesart fällt er deshalb unter die Entnahmepflicht. Ob § 1 oder § 12 Abs. 1 ihn nennen, haben wir nicht geprüft – kläre das vor Ort.

Die passenden Montagen stehen unter Wels-Montagen.

Häufige Fragen

Was ist der beste Köder für Wels?

Der tote Köderfisch einer im Gewässer häufigen Art. Bewährt sind außerdem große Tauwurmbündel, Pellets und große Kunstköder mit viel Druckwelle.

Wie groß sollte ein Köderfisch für Wels sein?

Als Richtwert 15 bis 25 cm. Welse fressen relativ kleinere Fische, als ihre Maulgröße erwarten lässt – sehr große Köder sind selten nötig.

Fressen Welse im Winter?

Kaum. Von November bis März frisst der Wels praktisch nicht, unter 10 °C findet keine Verdauung statt.

Funktioniert das Klopfen mit dem Wallerholz?

Welse haben ein besonders empfindliches Gehör. Dass das Klopfen sie anlockt, ist verbreitete Anglererfahrung, wissenschaftlich aber nicht untersucht.

Tiefer einsteigen: Gewässer-Dossiers