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Wels · Standplätze

Wels-Standplätze: Wo Waller stehen

Von der Redaktion anglerkompass · Stand: September 2026 · 4 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Welse leben in großen, langsamen Tieflandflüssen und in nährstoffreichen, krautigen Seen, bevorzugt in ruhigem Wasser. Tagsüber ruhen sie in der Uferzone in dichter Vegetation, Binsen und Baumwurzeln und sind sehr standorttreu. Nachts folgen sie der Beute, im Winter ziehen sie in tiefe Löcher und auf weichen Schlamm.

standorttreunutzt feste Ruheplätze
UferzoneTagesruheplätze in Vegetation und Wurzeln
bis 44 Welsein einer Gruppe beobachtet (Rhône)

Wo Welse leben

Der Wels lebt in großen Flüssen, Seen und Küstengebieten mit geringem Salzgehalt, vor allem in nährstoffreichen, krautigen Seen und langsamen, tiefen Tieflandflüssen. Er bevorzugt ruhiges Wasser und kommt auch in schlammigen Seen gut zurecht. Sein Sauerstoffbedarf ist gering, und er ist relativ unempfindlich gegen Gewässerverschmutzung. In Flüssen mit Warmwassereinleitungen profitiert er von der höheren Temperatur.

Tagsüber nutzt der Wels die Uferzone intensiv. Seine Ruheplätze liegen in dichter Vegetation, in Binsen und zwischen Baumwurzeln, und er zeigt eine starke Standorttreue. Nachts verlässt er die Ruheplätze und folgt den Wegen seiner Beute. Welse leben nicht immer allein: Im Rhône-System wurden Gruppen von bis zu 44 Welsen beobachtet.

Standplätze nach Gewässertyp und Jahreszeit

Gewässer Frühjahr Sommer Herbst Winter
Großer Fluss Altarme, Nebengewässer, flache bewachsene Zonen Uferzone mit Wurzeln und Totholz, Buhnenfelder, tiefe Rinnen tiefe Rinnen, Außenkurven tiefe Löcher, Höhlen, Spalten im Grund
See flache, krautige Buchten, Schilf Krautfelder, Seerosen, Uferbereiche mit Wurzeln Übergänge zum tieferen Wasser unteres Drittel der Wassersäule, weicher Schlamm
Stausee, Talsperre Zufluss, flache Randbereiche obere Wasserschicht, Zuflussbereich Übergang zu tieferen Bereichen tiefe Bereiche, nahe der Staumauer
Kanal, Hafen Seitenarme, flache Häfen Hafenbecken, Steinschüttungen, Warmwassereinleitungen Hafenbecken, tiefe Bereiche tiefe Hafenbecken

Redaktionelle Einschätzung aus der Angelpraxis, Stand September 2026. Belegt sind die Tagesruheplätze in der Uferzone, die Winterquartiere in Fluss und See, die saisonale Nutzung der Talsperre Římov (Tschechien) und der Vorteil von Warmwassereinleitungen.

Frühjahr und Laichzeit

Ende März bis April wandern Welse in Mitteleuropa bei 8 bis 10 °C zu ihren Laichplätzen. Sie laichen in bewachsenen, sumpfigen Zonen von Seen und Auen, bevorzugt an Baumwurzeln am Ufer in mäßiger Tiefe. Das Männchen legt in 40 bis 60 cm Wassertiefe ein Nest an und bewacht das Gelege. Diese flachen Bereiche lässt du zur Laichzeit in Ruhe.

Sommer

Nach dem Laichen ziehen Welse flussabwärts und in tieferes Wasser zurück. In der Talsperre Římov nutzten sie in der warmen Jahreszeit die obere Wasserschicht und den Zufluss. Tagsüber findest du sie an ihren Ruheplätzen in der Uferzone, nachts dort, wo die Beutefische ziehen.

Herbst

Mit sinkender Temperatur nimmt die Fressintensität ab September deutlich ab. In der Praxis werden jetzt tiefere Rinnen und Übergänge befischt. Wo sie liegen, zeigen dir Tiefenkarten oder das Abtasten mit dem Blei.

Winter

Im Fluss verbringen Welse die Winterruhe in tiefen Löchern, Höhlen und Spalten im Gewässergrund, im See im unteren Drittel der Wassersäule oder auf weichem Schlamm. In der Talsperre Římov standen sie in der kalten Jahreszeit in tieferen Bereichen nahe der Staumauer. Da sie von November bis März praktisch nicht fressen, lohnt sich die Suche dann nicht.

Die wichtigsten Strukturen

Uferzone mit Wurzeln und Vegetation

Die Tagesruheplätze des Welses liegen in der Uferzone: in dichter Vegetation, in Binsen und zwischen Baumwurzeln. Unterspülte Ufer mit Wurzelwerk und umgestürzte Bäume sind deshalb klassische Plätze. Die Montage legst du vor die Struktur, nicht hinein – ein großer Wels im Wurzelwerk ist kaum zu halten. Wegen der starken Standorttreue wird ein solcher Ruheplatz oft über längere Zeit genutzt.

Tiefe Löcher und Rinnen

Im Fluss sind tiefe Löcher, Höhlen und Spalten im Grund die Winterquartiere. Auch im Sommer ziehen Welse nach dem Laichen in tieferes Wasser. Rinnen und Kolke sind deshalb über weite Teile des Jahres gute Plätze.

Krautfelder und Schlammgrund

Im See bevorzugt der Wels nährstoffreiche, krautige Bereiche. Hier leben die Beutefische, denen er nachts folgt. Weicher Schlamm dient im Winter als Ruheplatz.

Zuflüsse und Warmwasser

In der Talsperre Římov nutzten Welse in der warmen Jahreszeit den Zufluss. In Flüssen profitieren sie von Warmwassereinleitungen. Solche Stellen lohnen einen gezielten Versuch – prüfe aber vorher, ob dort Angelverbote gelten.

Gibt es Welse in deinem Gewässer?

Welse werden groß und alt – FishBase nennt ein Höchstalter von 80 Jahren. Wo ein Bestand lebt, ist er meist lange bekannt. Verein, Gewässerwart und Fangmeldungen sind deshalb die beste Quelle, um herauszufinden, ob und wo Welse vorkommen.

So findest du Wels-Standplätze

  • Ruheplätze suchen: Uferbereiche mit dichter Vegetation, Binsen, Baumwurzeln und Totholz sind die Tagesverstecke. Weil Welse standorttreu sind, lohnt es sich, einen gefundenen Platz immer wieder zu befischen.
  • Beutefische beobachten: Welse folgen nachts den Wegen ihrer Beute. Wo sich Weißfische sammeln, sind Welse oft nicht weit – Anglererfahrung.
  • Tiefe und Struktur erkunden: Tiefenkarten und das Abtasten mit dem Blei zeigen Rinnen, Löcher und Kanten. Ob du ein Echolot nutzen darfst, regelt deine Angelkarte.
  • Gruppen beachten: Welse leben nicht immer einzeln – im Rhône-System wurden Gruppen von bis zu 44 Tieren beobachtet. Wo ein Wels beißt, können weitere in der Nähe stehen.
  • Tag und Nacht unterscheiden: Tagsüber an den Ruheplätzen in Ufernähe, nachts an den Wegen der Beutefische – plane deine Rutenplätze entsprechend.
  • Oberfläche beobachten: Rauben an der Oberfläche oder große Schwalle in der Dämmerung können auf Welse hinweisen – Erfahrungswissen, keine sichere Regel.

Schutzgebiete und Angelkarte

Laichplätze, Schilfzonen und Auen sind oft geschützt. In Thüringen dürfen Uferzonen mit Wasserpflanzen (Gelegezone) nicht betreten oder befahren werden (§ 11 ThürFischAVO). An Fischwegen gelten Fangverbote, etwa in Sachsen im Umkreis von 30 m (§ 10 Abs. 2 SächsFischVO) und in Mecklenburg-Vorpommern in Fischwegen und 100 m angrenzend (§ 7 BiFVO M-V). Beachte auch die Entnahmeregeln: In Hessen müssen aus Fließgewässern Arten, die nicht in § 1, § 2 Abs. 1 oder § 12 Abs. 1 HFischV genannt sind, nach dem Fang entnommen werden (§ 14 Abs. 2). Der Wels steht nicht in § 2 Abs. 1; ob er in § 1 oder § 12 Abs. 1 genannt ist, haben wir nicht geprüft – kläre das vor dem Angeln. Maßgeblich ist immer deine Angelkarte. Gewässer findest du unter Gewässer, die Regeln je Land unter Angelregeln.

Welche Montagen du an diesen Plätzen einsetzt, steht unter Wels-Montagen.

Häufige Fragen

Wo stehen Welse im Fluss?

Tagsüber in der Uferzone in dichter Vegetation, Binsen und Baumwurzeln, nachts dort, wo die Beutefische ziehen. Im Winter ruhen sie in tiefen Löchern, Höhlen und Spalten im Gewässergrund.

Wo findet man Welse im See?

In nährstoffreichen, krautigen Seen, tagsüber in der Uferzone mit Pflanzen und Wurzeln. Im Winter halten sie sich im unteren Drittel der Wassersäule oder auf weichem Schlamm auf.

Bleiben Welse an einem Platz?

Ja, Welse zeigen eine starke Standorttreue und nutzen feste Ruheplätze. Einen gefundenen Platz zu befischen, lohnt sich deshalb oft mehrmals.

Tiefer einsteigen: Gewässer-Dossiers