Norwegen · Fischarten
Rotbarsch angeln in Norwegen: Sperrzeit, Tiefe, Methode und Bestand
Von der Redaktion anglerkompass · Stand: September 2026 · 6 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
Rotbarsch (norwegisch „uer“) lebt in Norwegen nach dem Havforskningsinstituttet meist in 100 bis 500 m Tiefe, auch in manchen Fjorden. Er wächst sehr langsam und wird über 60 Jahre alt. Nördlich von Stad ist der Fang verboten, außer mit „jukse“ vom 1. Juni bis einschließlich 31. August. Das Mindestmaß beträgt 30 oder 32 cm.
Der Rotbarsch ist einer der auffälligsten Fische beim Tiefseeangeln in Norwegen – und einer der am strengsten geregelten. Er wächst langsam, wird spät geschlechtsreif und bringt lebende Junge zur Welt. Deshalb gelten für ihn Mindestmaße, eine Sperre nördlich von Stad und die tägliche Fangmeldung. Auf dieser Seite fassen wir die Biologie nach dem norwegischen Meeresforschungsinstitut (Havforskningsinstituttet), dem Thünen-Institut und FishBase zusammen. Die Regeln geben wir so wieder, wie sie auf unserer Seite Regeln in Norwegen mit Quelle stehen.
Welche Rotbarsche gibt es in Norwegen?
„Rotbarsch“ ist ein Sammelname. In norwegischen Gewässern leben nach dem Havforskningsinstituttet mehrere Arten:
- Goldbarsch (vanlig uer, Sebastes norvegicus): nach dem Institut goldfarben bis orangerot, in 100 bis 500 m Tiefe vom Nordsee- bis zum Barentsseeraum, auch in norwegischen Fjorden.
- Schnabelbarsch (snabeluer, Sebastes mentella): rot-rosa mit grauen Flecken, hellem Bauch und einem spitzen Zapfen („Schnabel“) an der Unterlippe; lebt in der Barentssee, um Spitzbergen und am Kontinentalhang in 400 bis 600 m Tiefe.
- Kleiner Rotbarsch (lusuer, Sebastes viviparus): wird vom Institut genannt, aber nicht näher beschrieben.
Das Thünen-Institut weist darauf hin, dass Goldbarsch und Schnabelbarsch sich äußerlich sehr ähneln und oft nur anhand vieler Körpermerkmale oder genetisch sicher zu trennen sind. Für die Regeln spielt das keine Rolle: Die norwegischen Vorschriften sprechen einfach von „uer“.
Woran erkennst du einen Rotbarsch?
Das Thünen-Institut beschreibt Rotbarsche als leuchtend rot mit dunklerer Marmorierung auf dem Rücken und hellrosa Bauch. Die Schuppen sind hart und haben kleine Dornen am hinteren Rand, der Fisch fühlt sich deshalb rau an. Kräftige Dornen auf den Kiemendeckeln und sehr harte Strahlen in der ersten Rückenflosse schützen ihn vor Fressfeinden. Im Wasser wirkt die rote Farbe übrigens dunkelgrau, weil rotes Licht nicht bis in die Tiefe dringt.
Nach unserer Erfahrung solltest du einen Rotbarsch deshalb mit Handschuh oder Tuch greifen und die Rückenflosse dabei nach hinten anlegen – die Stacheln an Kiemendeckel und Rückenflosse stechen leicht in die Hand.
| Steckbrief Goldbarsch | Angabe | Quelle |
|---|---|---|
| Wissenschaftlicher Name | Sebastes norvegicus (früher S. marinus), Familie Scorpaenidae | Havforskningsinstituttet, Thünen-Institut |
| Größe | 1 m und mehr als 15 kg; übliche Länge nach FishBase 45 cm | Havforskningsinstituttet, FishBase |
| Alter | über 60 Jahre | Havforskningsinstituttet |
| Tiefe | 100–500 m, Jungfische auch in Fjorden, Buchten und Küstengewässern | Havforskningsinstituttet, FishBase |
| Wachstum | mit zwei Jahren 10–12 cm, danach etwa 2 cm pro Jahr | Havforskningsinstituttet |
| Geschlechtsreife | die Hälfte mit 11–12 Jahren und 30–35 cm | Havforskningsinstituttet |
| Fortpflanzung | Paarung im Herbst, lebende Junge von 4–6 mm im April–Mai | Havforskningsinstituttet |
| Mindestmaß | 30 cm außerhalb, 32 cm innerhalb von 12 Seemeilen der Basislinien | Fiskeridirektoratet, Stand 30.09.2026 |
Wo und wann fängst du Rotbarsch?
Der Goldbarsch lebt nach dem Havforskningsinstituttet auf dem Kontinentalschelf, entlang der Küste und an manchen Stellen in den Fjorden, in 100 bis 500 m Tiefe. Er kommt bis nordwestlich von Spitzbergen vor, in fischbaren Mengen aber selten nördlich von Tromsøflaket und Bjørnøya. Die wichtigsten Gebiete, in denen die Weibchen ihre Jungen absetzen, liegen entlang der Schelfkante von Shetland bis Andøya, vor allem bei Storegga, Haltenbanken und Vesterålen. FishBase beschreibt den Goldbarsch als gesellig; das Thünen-Institut nennt als bevorzugten Bereich 3 bis 8 °C.
Wann du Rotbarsch angeln darfst, hängt vom Revier ab. Nördlich von Stad ist nur ein Sommerfenster offen (siehe Regeln unten), südlich davon gibt es keine Sperrzeit für Rotbarsch. Biologisch fällt das nördliche Fenster in die Zeit nach dem Absetzen der Jungen im April und Mai. Nach unserer Einschätzung findest du Rotbarsche am ehesten an tiefen Fjordkanten und auf der Außenseite, wo das Echolot große Tiefen zeigt. Welche Monate für andere Zielfische passen, zeigt der Kalender unter Beste Reisezeit.
Mit welcher Methode fängst du Rotbarsch?
Unsere redaktionelle Einschätzung: Rotbarsche fressen nach FishBase im Sommer vor allem Krill, im Herbst und Winter Hering, im Frühjahr Lodde, Hering und Krill. Kleine, auffällige Köder dicht über dem Grund passen dazu.
- Pilker mit Beifängern: Ein Pilker als Gewicht mit zwei, drei kleinen Beifängern oder Gummimakks darüber ist die gängige Montage. Die Technik steht unter Pilken.
- Paternoster mit Fischfetzen: Kleine Haken mit schmalen Fetzen an einer Paternoster-Montage, das Blei am Grund.
- Vertikal: Bei wenig Drift ein kleinerer Gummifisch am schweren Kopf senkrecht über dem Grund, siehe Vertikalangeln.
Rotbarsche stehen nach unserer Erfahrung oft in Gruppen. Hast du einen gefangen, lohnt es sich, dieselbe Drift noch einmal zu fahren – nördlich von Stad aber nur im erlaubten Zeitfenster.
Welche Regeln gelten für Rotbarsch in Norwegen?
- Mindestmaß: 30 cm außerhalb von 12 Seemeilen der Basislinien, 32 cm innerhalb von 12 Seemeilen.
- Sperre nördlich von Stad: Nördlich von Stad verboten, mit Ausnahme des Fischens mit „jukse“ vom 1. Juni bis einschließlich 31. August. Was „jukse“ genau umfasst und ob Rute und Rolle darunterfallen, ist offen; unsere Einordnung steht unter Regeln in Norwegen. Frag vor Ort nach, bevor du gezielt auf Rotbarsch angelst.
- Fangmeldung: Rotbarsch (uer) gehört zu den fünf Arten, die dein Camp nach jeder Ausfahrt meldet – auch zurückgesetzte Fische.
- Tote Fische nicht zurückwerfen: Rotbarsch (uer) steht auf der Artenliste der Anlandepflicht (høstingsforskriften § 51). Einen toten oder sterbenden Rotbarsch darfst du danach nicht über Bord werfen; zurücksetzen darfst du nur lebensfähige Fische. Ein lebensfähiger Rotbarsch, den du regelwidrig gefangen hast – unter Mindestmaß oder nördlich von Stad außerhalb der Ausnahme –, ist sofort freizulassen. Unsere Einordnung steht unter Regeln in Norwegen.
- Ausfuhr: Rotbarschfilet zählt zur Ausfuhrquote, siehe Ausfuhrquote Norwegen.
Warum ist der Rotbarsch so streng geschützt?
Das Thünen-Institut nennt Rotbarsche typische Vertreter der Tiefseefauna: Sie wachsen und bewegen sich langsam, werden spät reif und bringen vergleichsweise wenige Larven zur Welt. Ein zusammengebrochener Bestand würde viele Jahrzehnte brauchen, um sich zu erholen.
Für den Goldbarsch hatte der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) nach dem Havforskningsinstituttet für 2025 und 2026 eine Fangmenge von null empfohlen. Für 2027 empfiehlt er erstmals seit Jahrzehnten wieder eine begrenzte Menge von höchstens 4.912 Tonnen. Der Bestand liegt aber weiter unter dem Zielwert, und der Fischereidruck ist zu hoch – vor allem durch Beifang in anderen Fischereien. Das Institut spricht von einer Lage, die nicht kritisch ist, aber Anlass zur Sorge gibt. Auf der norwegischen Roten Liste 2021 der Artsdatabanken ist der Goldbarsch als stark gefährdet (EN) eingestuft, weil sein Bestand geschrumpft ist. Auf der Roten Liste der IUCN ist er dagegen nach dem Thünen-Institut in Europa und weltweit als ungefährdet geführt, der Schnabelbarsch in Europa als stark gefährdet.
Kannst du einen Rotbarsch zurücksetzen?
Hier hilft ein Blick in die Anatomie: Rotbarsche haben nach dem Thünen-Institut eine kräftige Schwimmblase, die beim Hochholen aus großer Tiefe nicht platzt, sondern die weichen Organe verdrängt. Ein Rotbarsch aus 150 m oder mehr ist nach unserer Einschätzung deshalb kaum noch lebensfähig zurückzusetzen. Allgemeine Hinweise zu Fischen aus großer Tiefe fasst die Seite Fische zurücksetzen zusammen. Ist ein untermaßiger Fisch tot oder nicht lebensfähig, darfst du ihn nach dem Fiskeridirektoratet essen.
Die beste Schonung ist deshalb, Rotbarsch-Plätze außerhalb der erlaubten Zeit und Gebiete zu meiden und bei vielen kleinen Fischen den Platz zu wechseln.
Wie verwertest du einen Rotbarsch?
Betäube und töte den Fisch sofort (Anleitung) und kühl ihn. Das Thünen-Institut nennt als Handelsformen frisch, ganz oder als Filet, tiefgefroren und heißgeräuchert. Beim Filetieren schützt dich nach unserer Erfahrung ein fester Handschuh vor den Stacheln; ein kräftiges Messer hilft bei der harten Schuppenhaut. Wie du den Fang kühlst, filetierst und lagerst, steht unter Fisch versorgen.
Häufige Fragen
Darf ich in Norwegen Rotbarsch angeln?
Südlich von Stad ja, mit Mindestmaß 30 cm außerhalb und 32 cm innerhalb von 12 Seemeilen der Basislinien. Nördlich von Stad ist Rotbarsch verboten, mit Ausnahme des Fischens mit „jukse“ vom 1. Juni bis einschließlich 31. August.
Was bedeutet „jukse“?
Im Norwegischen bezeichnet „jukse“ eine Handleine oder Pilkmaschine mit Haken. Ob Angeln mit Rute und Rolle darunterfällt, sagen weder Verordnung noch Fiskeridirektoratet. Frag vor Ort nach.
In welcher Tiefe lebt der Rotbarsch?
Der Goldbarsch lebt nach dem Havforskningsinstituttet meist in 100 bis 500 m Tiefe, auch in manchen Fjorden. Der Schnabelbarsch lebt tiefer, am Kontinentalhang in 400 bis 600 m.
Wie alt wird ein Rotbarsch?
Der Goldbarsch wird nach dem Havforskningsinstituttet über 60 Jahre alt. Die Hälfte der Tiere ist erst mit 11 bis 12 Jahren und 30 bis 35 cm geschlechtsreif.
Muss Rotbarsch gemeldet werden?
Ja. Rotbarsch gehört zu den fünf Arten, die registrierte Camps nach jeder Ausfahrt melden, zusammen mit Dorsch, Heilbutt, Seewolf und Seelachs – auch zurückgesetzte Fische.
Tiefer einsteigen: Norwegen-Planungspaket 2027